Christliche Kirchen Gottes
[170]
Die Rolle des Vierten Gebotes in
den historischen, Sabbat haltenden
Gemeinden
[170]
(Ausgabe
1.0 19960728-20000122)
Die Gemeinden,
die den Sabbat im Laufe der letzten zwei Jahrhunderte eingehalten haben, nahmen
der Einfachheit halber an, daß das zentrale Thema und das Kennzeichen des
Christentums der Sabbat sei und daß die Gemeinden durch die Geschichte hindurch
wegen ihrer Treue zum Sabbat verfolgt wurden. Eine solche Ansicht ist jedoch bestenfalls
nur teilweise wahr und verstellt zudem den Blick auf die wirklich grundlegenden
Aspekte des Glaubens, weswegen die Gemeinden Gottes verfolgt wurden, aber auch
auf diejenigen Aspekte, die die Kennzeichen des Auserwählten sind. Dieses
Kapitel zeigt, daß es tatsächlich eine ganze Reihe von Merkmalen gibt, die die
Auserwählten charakterisieren und die dazu verwendet wurden, um sie in den
Zeiten der Verfolgung, die allgemein als Inquisition bezeichnet wird, zu
isolieren und aus der Gesellschaft auszugrenzen.
(Copyright ã 1996, 1998, 2000 Wade Cox)
(Tr. 2003)
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Die Rolle des Vierten Gebotes in den historischen, Sabbat
haltenden Gemeinden [170]
Im Kapitel The General Distribution of the
Sabbath-keeping Churches [122] („Die allgemeine Ausbreitung der Sabbat
haltenden Gemeinden“) wurde festgestellt, daß durch die Geschichte hindurch
eine ununterbrochene Abfolge von Gemeinden existierte, die den Sabbat
einhielten, die mehr oder weniger in ständiger Opposition zu dem dominierenden
System der Kirche standen und deswegen von diesem System verfolgt wurden. Die
Gemeinden, die den Sabbat im Laufe der letzten zwei Jahrhunderte eingehalten
haben, nahmen der Einfachheit halber an, daß das zentrale Thema und das
Kennzeichen des Christentums der Sabbat sei und daß die Gemeinden durch die
Geschichte hindurch wegen ihrer Treue zum Sabbat verfolgt wurden. Eine solche
Ansicht ist jedoch bestenfalls nur teilweise wahr und verstellt zudem den Blick
auf die wirklich grundlegenden Aspekte des Glaubens, weswegen die Gemeinden
Gottes verfolgt wurden, aber auch auf diejenigen Aspekte, die die Kennzeichen
des Auserwählten sind. Dieses Kapitel zeigt, daß es tatsächlich eine ganze
Reihe von Merkmalen gibt, die die Auserwählten charakterisieren, und die wurden
dazu verwendet wurden, um sie in den Zeiten der Verfolgung, die allgemein als
Inquisition bezeichnet wird, zu isolieren und aus der Gesellschaft
auszugrenzen.. Das orthodoxe System der Hauptrichtung setzte viele dieser
Kennzeichen des Glaubens dazu ein, um
Informationen und Beweise gegen die Auserwählten zu sammeln und sie damit zu
vernichten.
Die Gemeinden
Gottes des Zwanzigsten Jahrhunderts begingen den schwerwiegenden Irrtum,
anzunehmen, daß das, was sie glaubten, besser oder vollständiger als das
Glaubensverständnis der Kirchen früherer Zeiten sei. sie Das erwies sich jedoch
als zerstörerisch für die späteren Gemeinden und war auf die Unkenntnis über
die Doktrinen der früheren Gemeinden und die Anwendung ihrer Glaubensdoktrin
zurückzuführen. Als völlig sicher gilt die Tatsache, daß die späteren Zeiten
alle charakteristischen Merkmale des Systems von Sardes und Laodizea
(Offenbarung 3,1-6; 14-22) aufwiesen. In dieser Unwissenheit kommt dann ein
einziges wahres System zum Vorschein: das von Philadelphia (Offenbarung
3,7-13), das zwar über nicht viel Kraft verfügt, aber die Gebote Gottes einhält
und für Jesus Christus Zeugnis ablegt (Offenbarung 12,17; 14,12).
Doch was sagt die
Bibel genau über die Kennzeichen der Auserwählten, und welche Rolle spielt der
Sabbat in diesem Prozeß der Identifizierung?
Der
Sabbat als eines der Zeichen der Gemeinde
Die Bedeutung des
Sabbats wird im Vierten Gebot ausgedrückt. Seine Bedeutung wird in den Kapiteln
Das Gesetz und das Vierte Gebot [256] und The Sabbath [031] („Der Sabbat“) ausführlich erläutert und wird auch im
zweiten Buch Mose (Exodus 20,8; 10, 11) sowie im im fünften Buch Mose
(Deuteronomium 5,12) verdeutlicht.
Der Sabbat wird
als ein Zeichen von Gottes Volk erwähnt. Das ist ein Zeichen, das zwischen uns
und Gott besteht und uns heilig macht.
Exodus 31,12-14 12 Und der HERR redete mit Mose
und sprach: 13 „Sage den Israeliten: Haltet meinen Sabbat; denn er
ist ein Zeichen zwischen mir und euch von Geschlecht zu Geschlecht, damit ihr
erkennt, daß ich der HERR bin, der euch heiligt. 14 Darum haltet
meinen Sabbat, denn er soll auch euch heilig sein. Wer ihn entheiligt, der soll
des Todes sterben. Denn wer eine Arbeit am Sabbat tut, der soll ausgerottet
werden aus seinem Volk.”
Oft wird
fälschlicherweise angenommen, daß der hier angesprochene Sabbat sich nur auf
den wöchentlichen Sabbattag bezieht. Dies ist jedoch nicht korrekt. Der Begriff
des Sabbat bezieht sich hier auf die gesamte Reihe der Heiligen Tage, die dem
Gottesdienst gewidmet sind. Die genannte Todesstrafe ist geistiger Art.
Der Sabbat ist nicht ausschließlich ein
Kennzeichen der christlichen Kirche. Er ist auch ein Zeichen der Menschen des
Bundes Gottes, die noch nicht in die Kirche gerufen wurden. Wenn er das Zeichen der Auserwählten wäre, würde
der Judaismus zur ersten Auferstehung gehören. Das ist aber nicht der Fall.
Das zweite
Zeichen der Auserwählten ist das Passahfest (Fest der Ungesäuerten Brote).
Exodus 13,9-16: 9
Darum soll es dir wie ein Zeichen sein auf deiner Hand und wie ein Merkzeichen
zwischen deinen Augen, damit des HERRN Gesetz in deinem Munde sei; denn der
HERR hat dich mit mächtiger Hand aus Ägypten geführt. 10 Darum halte
diese Ordnung Jahr für Jahr zu ihrer Zeit. 11 Wenn dich nun der HERR
ins Land der Kanaaniter gebracht hat, wie er dir und deinen Vätern geschworen
hat, und es dir gegeben hat, 12 so sollst du dem HERRN alles
aussondern, war zuerst den Mutterschoß durchbricht. Alle männliche Erstgeburt
unter dem Vieh gehört dem HERRN. 13 Die Erstgeburt vom Esel sollst
du auslösen mit einem Schaf; wenn du sie aber nicht auslöst, so brich ihr das
Genick. Beim Menschen aber sollst du alle Erstgeburt unter deinen Söhnen
auslösen. 14 Und wenn dich heute oder morgen dein Sohn fragen wird:
Was bedeutet das?, sollst du ihm sagen: Der HERR hat uns mit mächtiger Hand aus
Ägypten, aus der Knechtschaft, geführt. 15 Denn als der Pharao
hartnäckig war und uns nicht ziehen ließ, erschlug der HERR alle Erstgeburt in
Ägyptenland, von der Erstgeburt des Menschen bis zur Erstgeburt der Viehs.
Darum opfere ich dem HERRN alles Männliche, das zuerst den Mutterschoß
durchbricht, aber die Erstgeburt meiner Söhne löse ich aus. 16 Und
das soll dir wie ein Zeichen auf deiner Hand sein und wie Merkzeichen zwischen
deinen Augen; denn der HERR hat uns mit mächtiger Hand aus Ägypten geführt.
Das Passah oder
das Fest der Ungesäuerten Brote sind das zweite Zeichen der Menschen des
Bundes. Die Verbreitung des Vierten Gebotes (wie wir weiter oben feststellten)
soll die Gesetze Gottes in unserem Handeln („das Zeichen auf deiner Hand“) und
in unserem Geist („das Merkzeichen zwischen deinen Augen“) einprägen. Diese
Feste sind ein Zeichen der Gesetze Gottes (Deuteronomium 6,8) und ein Zeichen
der Befreiung Israels (Deuteronomium 6,10). Seit dem Neuen Testament ist dieser
Status auch den nichtjüdischen Völkern eigen, die zu Christus gehören (Römer
9,6; 11,25-26). Die Gemeinden Gottes des 20. Jahrhunderts hatten ein völlig falsches
Verständnis des Passahfestes. Völlig zu Unrecht wurde angenommen, daß es bei
den Juden falsch gefeiert werde und daß Passah in der vierzehnten Nacht des
Monats Nissan war, aber die Nacht der Großen Erinnerung in der fünfzehnten
Nacht, und diese Nacht von den Juden fälschlicherweise Passah genannt wurde.
Diese Annahmen, aber auch die ganze Struktur der falschen Prämissen, auf die
sie sich stützen, werden im Anhang des Kapitels Passah [098] ausführlich analysiert.
Die Zeichen des
Gesetzes – der Sabbat und das Passahfest – sind speziell dafür gedacht, den
Götzendienst zu bekämpfen (Deuteronomium 11,6). Diese beiden Zeichen sind auch
das Zeichen auf der Hand und das Merkzeichen zwischen den Augen, die die
Auserwählten Gottes kennzeichnen. Zusammen mit dem Heiligen Geist bilden sie
die Besiegelten der letzten Tage in Offenbarung 7,3. Somit konzentriert sich
das Zeichen der Auserwählten auf das erste Gebot. Jesus sagte: „Du sollst anbeten den Herrn, deinen Gott,
und ihm allein dienen.“ (Matthäus 4,10, Lukas 4,8). Dienen bedeutet in der
biblischen Terminologie die Anbetung Gottes.
Das
Versöhnungsfest ist ein weiteres Zeichen der Menschen des Bundes. Die
Unfähigkeit, das Versöhnungsfest einzuhalten, wird mit der Ausrottung aus dem
eigenem Volk bestraft (Levitikus 23,29); mit anderen Worten, die Strafe ist die
Vertreibung aus dem Körper des israelischen Bundes, also aus der Gemeinde.
Das ursprüngliche
und grundsätzliche Zeichen der Menschen des Bundes ist die Beschneidung
(Genesis 17,14). Sie wurde bis zur Taufe vollzogen (siehe Repentance and Baptism [052] („Buße und Taufe“).
Die Taufe mit dem
Heiligen Geist ist danach ein primäres Zeichen der Auserwählten, die durch den
Tod Jesu Christi zu einem Ganzen werden (Matthäus 28,19; Apostelg. 1,5; 11,16;
Römer 6,3; 1 Korinther 12,13; Hebräer 9, 11-28).
Die
gemeinsamen Lehrsätze der Kirche
Die gemeinsame
Lehre der Auserwählten ist schon in frühesten Zeiten zu finden. Am nächsten
kommen wir dem Apostel
Die zentrale
Stelle ihres Glaubens nahm die Lehre von Gott ein. Der Sabbat, die Neumonde und
Feste waren spezifische Aspekte der Gottesanbetung. Sie wurden auch von der
Einhaltung der Speisegesetze auf einer ziemlich stark verbreiteten und
allgemeinen Grundlage begleitet (siehe The
Food Laws [015], „Die Speisegesetze“).
Somit war der Sabbat und alles, was daraus folgte, ein Zeichen der Anbetung
des Einzigen Wahren Gottes (
Die
biblische Grundlage der gemeinsamen Lehre
In der biblischen
Grundlage der gemeinsamen Lehre nimmt das erste und größte Gebot eine zentrale
Stellung ein (vgl. das Kapitel Das Erste
Große Gebot [252]). So sehen wir, daß das Vierte
Gebot nur der vierte Aspekt einer größeren Struktur ist. Der Sabbat und die
Heiligen Tage sind Substrukturen des Vierten Gebotes und stehen zu den anderen
Geboten in Beziehung. Dies wird im Kapitel Statement
of Beliefs of the Christian Faith [A1] („Erkenntnisse des christlichen
Glaubens“) behandelt.
Die Gemeinde ist
verpflichtet, die Zehn Gebote einzuhalten, die in Exodus 20,1-17 und
Deuteronomium 5, 6-21 genannt werden.
Das erste Gebot:
Ich bin der HERR, dein Gott, der ich dich aus Ägyptenland,
aus der Knechtschaft, geführt habe. Du sollst keine anderen Götter haben neben
mir.
Gott der Vater
ist der Einzige Wahre Gott (
Das zweite Gebot:
Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein
Gleichnis machen, weder von dem, was oben im Himmel, noch von dem, was unten
auf Erden, noch von dem, was im Wasser unter der Erde ist: Bete sie nicht an
und diene ihnen nicht! Denn ich, der HERR, dein Gott, bin ein eifernder Gott,
der die Missetat der Väter heimsucht bis in dritte und vierte Glied an den
Kindern derer, die mich hassen, aber Barmherzigkeit erweist an vielen
Tausenden, die mich lieben und meine Gebote halten.
Das bedeutet, es
ist nicht zulässig, Gestalten und Abbilder zu machen, um sie zur religiösen
Verehrung oder als Symbole zu verwenden. Demzufolge ist auch das Kreuz als
Symbol in der Kirche verboten. Die Gebote selbst bilden einen Teil der Identifizierung
des religiösen Systems, sie sind also alle fest damit verbunden.
Das dritte Gebot:
Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes,
nicht mißbrauchen; denn der HERR wird den nicht ungestraft lassen, der seinen
Namen mißbraucht.
Der Name Gottes
verleiht Autorität, und genau deswegen beschäftigt sich dieses Gesetz nicht nur
mit der Frage der Gotteslästerung, sondern wendet sich auch gegen den Mißbrauch
der Autorität der Kirche und bezieht sich auf alle, die für sich in Anspruch
nehmen, durch Jesus Christus auf Weisung Gottes zu handeln.
Das vierte Gebot:
Gedenke des Sabbattages, daß du ihn heiligest.
Sechs Tage sollst Du arbeiten und alle deine Werke tun. Aber am siebten Tage
ist der Sabbat des HERRN, deines Gottes. Da sollst du keine Arbeit tun, auch
nicht dein Sohn, deine Tochter, dein Knecht, deine Magd, dein Vieh, auch nicht
dein Fremdling, der in deiner Stadt lebt. Denn in sechs Tagen hat der HERR
Himmel und Erde gemacht und das Meer und alles, was darinnen ist, und ruhte am
siebenten Tage. Darum segnete der HERR den Sabbattag und heiligte ihn.
Somit ist der
Sabbat am siebten Tag für den Glauben unerläßlich. Kein Christ kann Gott dienen und darauf verzichten, den Sabbat
einzuhalten, der im heutigen Kalender als Samstag bekannt ist. Die Festlegung
eines anderen Tages als des siebten Tages für den Gottesdienst verletzt nicht
nur dieses Gebot, sondern wird auch zum Symbol des Götzendienstes, da dies
nicht mit dem ausdrücklichen Willen Gottes übereinstimmt. Das ist ein Akt der
Auflehnung und wird darum der Sünde der Zauberei gleichgesetzt (1 Samuel
15,23). In Verbindung mit dem Zweiten Gebot, das das Vierte Gebot verstärkt,
wird es zum Götzendienst. Die Einführung eines Kalenders, der dem Prinzip der
Wochenrotation entspricht, hat die gleiche Wirkung.
Die ersten vier
Gebote bestimmen die Beziehung zwischen Gott und dem Menschen und werden mit
dem ersten und wichtigsten Hauptgesetz gleichgesetzt, das lautet: Und du sollst den HERRN, deinen Gott lieben
von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüt und mit allen deinen
Kräften (Markus 12,30). Dies ist das
höchste und größte Gebot (Matthäus 22,37-37). Unter einer absoluten
Identifizierung mit Gott versteht man eine getreue Befolgung dieser Gebote und
das Vermeiden jeglicher Handlungen, die sie beeinträchtigen könnten.
Das Vierte Gebot
ist also eines der vier Gebote, die ein wesentlicher Bestandteil des Ersten
Großen Gebotes sind. Nach den Worten
Christi ist Gott der Vater das Zentrum, das primäre Moment und das letzte Ziel
des Glaubens (Matthäus 22,37-38; Markus 12,30; Offenbarung 1,8). Das Erkennen
des Einzig Wahren Gottes und Seines Sohnes Jesus Christus, den er zu uns
sandte, ist der zentrale Punkt, um das ewige Leben zu erlangen (
Das Vierte Gebot
erstreckt sich auf das ganze System der biblischen Gottesverehrung – die
Neumonde, die Feste und Heiligen Tage sowie den Zehnten (siehe Tithing [161] („Der Zehnte“), der sich
auf das System der Erstlinge und der Ernte bezieht (siehe auch The Covenant of God [152] („Der Bund
Gottes“)).
Wir haben schon
festgestellt, welchen Einfluß die Neumonde auf den Kalender Gottes haben (siehe
das Kapitel God’s Calendar [156] („Der
Kalender Gottes“)). Die Neumonde und
die Feste bilden gemeinsam die Struktur der Herrschaft Gottes. Der Sanhedrin,
ebenso wie der materielle Tempel und seine Priesterschaft, waren das
Spiegelbild des himmlischen Systems (Hebräer 8,5). Aber wir haben einen
Opferaltar, von dem diejenigen nicht speisen dürfen, die im Zelt (oder einer materiellen Struktur)
dienen (Hebräer 13,10). Somit haben wir keine dauerhafte materielle Stadt,
sondern sind auf der Suche nach der Stadt, die in der Zukunft bestehen wird.
Ebenso wie die Opfer außerhalb der Stadt verbrannt wurden, wurde auch Jesus
Christus außerhalb der Stadt geopfert, und so gehen wir zu ihm außerhalb des
Lagers, um seine Schande zu teilen (Hebräer 13,12-13).
Wir behandeln
hier die Vergangenheit unserer Glaubensbrüder, um ihre Leiden und die Gründe
ihrer Bestrafung aufzudecken. Die Lehren der frühen Kirche können als ziemlich
konsequent angesehen werden, wenn wir die Tatsachen von der Propaganda des
herrschenden Systems unterscheiden können.
Anwendung
dieser charakteristischen Elemente in den Lehren der Frühkirchen
Die frühe Kirche
war ausschließlich unitarisch. Gnostiker und Modalisten werden hier nicht als
Teil der Kirche betrachtet. Es gibt keine Beweise dafür, daß Christus, die
Apostel oder ihre Jünger Binitarier oder Trinitarier gewesen seien. Tatsächlich
läßt sich aber eindeutig nachweisen, daß die Dreieinigkeitslehre
(Trinitarismus) aus der sogenannten christlichen Zweieinigkeitslehre
(Binitarismus) des vierten Jahrhunderts entwickelt wurde. Die sabbathaltende
Kirche hat bis dahin – und im Grunde sogar bis zur Reformation etwa elf
Jahrhunderte später – niemals die trinitarische oder die binitarische Position
unterstützt. Die Zweieinigkeitslehre entwickelte sich in Wirklichkeit aus dem
Modalismus, der die Lehre der Anbeter des Gottes Attis in Rom darstellte (siehe
The Origins of Christmas and Easter [235]
(„Die Ursprünge von Weihnachten und Ostern“)).
Historische
Zeugnisse und die Verfolgung der Gemeinde
Die Frühkirche
Aus Schriften von
Irenäus (und seines Vorgängers Polycarpus) wissen wir, daß er und die Gemeinde
hauptsächlich Unitarier waren, die glaubten, daß Christus zum Elohim berufen
wurde und daß auch die Auserwählten Elohim werden konnten, genauso wie Christus
mit Gott war. Die Unitarier glaubten, Gott existiere ewig und habe im diesem
Sinne keine Zeitgenossen. Dies findet man bei Sacharja (12,8) und wird im Werk
des Irenäus, Gegen die Häresien dargelegt.
Bei Irenäus (Gegen die Häresien, III, viii, 3) heißt
es von Gott:
„Der Himmel ist
durch das Wort des HERRN gemacht und all sein Heer durch den Hauch seines
Mundes“ (Psalm 33,6).
Irenäus vertrat
folgende Ansicht:
„Es ist eindeutig
bewiesen worden, daß kein Prophet und kein Apostel jemals ein anderes Wesen
Gott oder Herr nannten, außer dem Einzig Wahren Gott… Trotzdem ist alles Geschaffene anders
angesichts dessen, wer es geschaffen hat, genau wie das Geschaffene sich von
dem Schöpfer unterscheidet. Er ist nicht der Schöpfer in bezug auf sich selbst.
Es ist ohne Anfang und ohne Ende, und ist selbst vollkommen. Er reicht über
sich hinaus und ist gleichzeitig dauerhaft. Er hat allen das Wesentliche
geschenkt: die Existenz, alles, was existiert, hat Er geschaffen.“ (ibid).
Die Fähigkeit,
Gott (theos oder elohim) zu werden, schreibt Irenäus auch dem Logos zu, der sich
von allen anderen geschaffenen Phänomenen unterscheidet (ebd.). In Buch III,
Kapitel VI hat er die Lehre von Gott und Seinem Sohn begründet, die Theorie der
Annahme als theoi oder elohim und aller Söhne Gottes:
Aus diesem Grund
darf kein anderer, nicht einmal der Heilige Geist, nicht die Apostel, keiner,
der nicht Er ist, als Gott bezeichnet werden, außer Ihm selbst. Man darf auch
keinen als den Herrn bezeichnen, außer Gott den Vater selbst, der über alles
herrscht, und Seinen Sohn, der die Macht über die ganze Schöpfung von seinem
Vater erhalten hat. So steht es geschrieben: Der HERR spricht zu meinem Herrn: „Setze dich zu meiner Rechten, bis
ich deine Feinde zum Schemel deiner Füße mache.“ (Psalm 110,1). Hier [in
der Heiligen Schrift] wendet sich der Vater an seinen Sohn; Er, der dem Sohn
das Erbe der Heiden überreichte und Ihm alle seine Feinde unterwarf.
Irenäus fährt mit
der Feststellung fort, daß der Heilige Geist sowohl den Vater als auch den Sohn
als Herrn bezeichnete. Er war der Ansicht, daß es Christus war, der vor der
Zerstörung von Sodom zu Abraham gesprochen hatte und daß er [von Gott] die
Macht erhalten hatte, Sodom zu bestrafen. Und er [der folgende Text]:
(...) besagt mehrere
Dinge: „Gott, dein Thron bleibt immer und ewig; das Zepter deines Reichs ist
ein gerechtes Zepter. Du liebst Gerechtigkeit und hassest gottloses Treiben;
darum hat dich der Herr, dein Gott, gesalbt mit Freudenöl wie keinen
deinesgleichen“ (Psalm 45,7-8). Denn der Heilige Geist bezeichnet beide mit dem
Namen Gott [theos oder elohim]: sowohl denjenigen, der als Sohn
gesalbt wurde, als auch den, der ihn gesalbt hat und der der Vater ist. „Gott steht in der Gottesgemeinde und
richtet unter den Göttern.” (Psalm 82,1). Das bezieht sich auf den Vater,
auf den Sohn und diejenigen, die angenommen wurden; aber diese sind die Kirche,
denn sie ist die Synagoge Gottes, deren Gott ist der Sohn, der sie versammelt
hat; und dazu lesen wir noch: „Der Gott der Götter, der Herr spricht, er ruft
der Erde zu, vom Aufgang der Sonne bis zum Untergang.” (Ps. 50,1). Wer ist mit
dem Namen „Gott“ gemeint? Er, von dem Er gesagt hatte: „Unser Gott kommt und
schweigt nicht; das Feuer der Zerstörung läuft vor ihm, und ein starkes Gewitter
umringt ihn.“ (Ps. 50,3). Das ist auch
der Sohn, der kam, um zu den Menschen zu sprechen, und sagte: „Ich ließ mich
suchen von denen, die nicht nach mir fragten, ich ließ mich finden von denen,
die mich nicht suchten.“ (Jesaja 65,1). Aber von welchen Göttern [sprach er]?
[Von denen,] zu denen er sagte: „Wohl habe ich gesagt: Ihr seid Götter, ihr
seid alle Söhne des Höchsten.“ (Ps. 82,6) Und zweifellos zu denen, die die
Gnade der Adoption empfangen haben: „Ihr habt den Geist empfangen, der euch zu
Söhnen macht, den Geist, in dem wir
rufen: Abba, lieber Vater!“ (Römer 8,15). (Gegen
die Häresien, Buch III, Kap. vi, ANF, Bd.1, S. 418 f.)
Es besteht kein
Zweifel daran, daß Irenäus, als er von Gott sprach, subordinatianische
Ansichten vertrat. Er erweiterte den Begriff „Gott” (als theos oder eloah) auf eine Ebene, daß er auch den Sohn und die
Angenommenen mit einschloß. Solche Ansichten sind offenbar auch aus Sacharja
12,8 abgeleitet worden. Er scheint hier anzudeuten, daß Christus die
Auserwählten versammelt, obwohl wir doch aus den Heiligen Schriften wissen, daß
es umgekehrt Gott war, der die Auserwählten Christus gab, damit er sie
versammle (
Diese Positionen
werden in den Kapiteln The Early
Theologie of the Godhead [127] („Die frühe Theologie des
Gottesverständnisses“) und On Immortality
[165] („Über die Unsterblichkeit“) behandelt. Es ist auch wichtig zu verstehen, daß die Lehre von der
Unsterblichkeit der Seele als gottlos und gotteslästerlich angesehen wurde.
Diese Ansicht wurde so weit vertreten, daß sogar dann, als die
Sonntagsgottesdienste in den Kirchen Einzug hielten (was nach den Zeugnissen
Justinus des Märtyrers bereits seit 150 n. Chr. der Fall war), die Lehren
vom göttlichen Wesen und der Auferstehung weiterhin eine zentrale und
ungeschmälerte Stellung behielten. Somit wurde der Sabbat bereits in der
Frühzeit noch vor dem göttlichen Wesen und der Auferstehung verworfen. Das
sollte sich bis zur späteren Lehre vom göttlichen Wesen umkehren, die noch vor
der Position zum Sabbat und der Seelenlehre in Zweifel gezogen wurde.
Anders Nygren (Agape and Eros, engl. Übers.
von Philip S Watson, Harper Torchbooks, New York 1969) verstand den Begriff des
ewigen Lebens in der Kirche. Er schreibt dazu folgendes:
Der Glauben an die
Auferstehung ist der wichtigste Aspekt, in dem sich die Frühkirche vom
Hellenismus unterscheidet. Die christliche Tradition bekräftigte „die
Auferstehung des Fleisches”, die die Apologeten der hellenistischen Lehre von
der „Unsterblichkeit der Seele“ gegenüberstellten. Die Antithese wurde bewußt
und mit Absicht aufgestellt, da in keiner anderen Frage schon in den Zeiten des
frühen Christentums ein so starker Widerstand gegen den Geist des Hellenismus
geleistet wurde. Die Apologeten hielten die platonische, hellenistische Doktrin
von der Unsterblichkeit der Seele für gottlos und gotteslästerlich, sie mußte
also als allererstes angegriffen und zerstört werden. (Justin, Dial 1xxx. 3-4)
Die Worte von
Tatian könnten als ihr Motto gelten: „O Griechen, nicht unsterblich, ja
sterblich ist die Seele an und für sich. Jedoch ist es möglich, daß sie doch
nicht stirbt.“ (Tatian, Oratio ad Graecos, xiii, 1)
Der Unterschied zwischen
dem Christen und dem Nichtchristen war in diesem Fall so enorm, daß der Glauben
an die Möglichkeit „der Wiederauferstehung des Leibes“ zu einem Erkennungszeichen
werden konnte. Derjenige, der an die Unsterblichkeit der Seele glaubte, zeigte
dadurch, daß er kein Christ ist. Nach Justin: „Wenn ihr mit jemandem
reingefallen seid, der sich Christ nennt… und er sagt, daß es keine
Auferstehung der Toten gibt, aber ihre Seelen nach dem Tod in den Himmel
kommen, stellt euch nicht vor, daß ihr es hier mit einem Christen zu tun habt.“
(Dial. 1xxx. 4)(ebd., S. 280-281)
Also verwarf die
Kirche die Unsterblichkeit der Seele – sie waren in jeder Hinsicht unitarische Subordinatianer. Sie hätten nicht
nur die Dreieinigkeitslehre verworfen, wenn sie damals schon entwickelt worden
wäre; möglicherweise hätten sie sogar jeden exkommuniziert, der sich dieser
Doktrin oder irgendeiner Form des Ditheismus angeschlossen hätte, wie er in
gnostischen Kreisen offenkundig war.
Gleichzeitig war die Kirche jedoch sehr tolerant, indem sie die Ansicht
vertrat, Irrlehren sollten zugelassen werden, um zu zeigen, wer in der Kirche
die Unterstützung Gottes hatte (1 Korinther 11,19). Das taten sie mit
Hilfe des Studiums (2 Timotheus 2,15).
Sie waren auch
der Ansicht, daß die wahre Heilige Schrift das Alte Testament ist und das Neue
Testament nur eine Interpretation dieser Schrift darstellt. Sie hielten die
Neumonde und die Feste ein. Wir können feststellen, daß das Fest der
Ungesäuerten Brote im 2. Jahrhundert ein Thema der Diskussion war, als das
Ostersystem eingeführt wurde und das Osterfest allmählich an die Stelle des
Passahfestes trat; diese ist auch als quartodezimanische Diskussion bekannt
(siehe das Kapitel Passover [098] („Passahfest“)).
Nach und nach
setzten die Verfolgungen der Kirche ein, bis sie überwiegend außerhalb des
Römischen Reiches tätig war. Sie war damit unerreichbar für die orthodoxe
Kirche, bis in die Zeit der zunehmenden Bekehrung der Arianer, die bis zum
achten Jahrhundert dauerte, und ab der Gründung des Heiligen Römischen Reiches
590. Die Verfolgungen des Glaubens dauerten von 590 bis 1850, sie umfaßten also
die Zeit der Herrschaft des Heiligen Römischen Reiches (siehe das Kapitel The General Distribution of the
Sabbath-keeping Churches [122] („Die allgemeine Ausbreitung der
sabbathaltenden Gemeinden“)).
Das amerikanische
Adventismus und die Gemeinden Gottes in den USA verwandte während der letzten
zwei Jahrhunderte falsche Angaben über das Heilige Römische Reich und die
Propheizeiung hinsichtlich der Zeiten, der Zeit, der Halbzeit oder der 1260
Tage an. Diese fehlerhafte Auslegung war zum großen Teil auf die Unkenntnis der
europäischen Geschichte und selbsterfüllende falsche Prophezeiungen
zurückzuführen. Dieser schwerwiegende Irrtum hatte nachhaltige Folgen, er
förderte irrige Prophezeiungen über die adventistische Bewegung 1842–1844. Dies
setzte sich dann mit einer weiteren Irrlehre fort, die das präadventistische Urteil genannt wurde (siehe das Kapitel The Pre-Advent Judgment [176] („Das
präadventistische Urteil“)).
Die Zeugnisse der
Inquisition geben uns Aufschluß darüber, welche Doktrinen es in der Kirche in
den verschiedenen Stadien ihrer Verbreitung
gab.
Es läßt sich mit
Sicherheit sagen, daß das katholische System der Inquisition der Kirche
verschiedene Namen gab, um die weite Verbreitung der Kirche und die Homogenität
ihrer Doktrinen zu verheimlichen. Aber auch die Organisationen der Gemeinden
Gottes hatten verschiedene Ansichten, was ihre Führung und ihre Gewichtungen
angeht (z. B. gab es unter den westlichen Waldensern sowohl Presbyterianer
als auch Episkopale). Wir wisssen, daß sie Katharer
oder Cathari genannt wurden (zu
deutsch „die Reinen“, im engl. „Puritans“). Andere Bezeichnungen waren Bulgarer, Chasaren, Vallenses, Albigenser,
Waldenser, Sabbatarier, Sabbatisten, Sabbatati, Insabbatati und Passaginianer.
Der Begriff „Sabbatarier“ ist vermutlich eine Konstruktion zur Bezeichnung
arianischer Sabbathalter.
Wir wissen, daß
die Gemeinsamkeit der Ansichten im allgemeinen in der Volkssprache verstanden
und reflektiert wurde. Der englische Begriff poor bugger („armer Schwuler”) ist im Englischen ein
vulgärsprachlicher Ausdruck, der Mitleid gegenüber einem Unglücklichen
ausdrückt, der Qualen erduldet hat. Bei den zeitgenössischen Amerikanern oder
Australiern stiftet dieser Ausdruck oft Verwirrung, da die Ausdrücke „bugger“
und „buggery“ eine spezifische rechtliche Bedeutung haben, die mit
Homosexualität bzw. Sodomie in Zusammenhang stehen. Doch dieser Begriff hat
auch eine andere Bedeutung, der die Anwendung auf die Auserwählten zur Zeit der
Inquisition beschreibt. Das Oxford Universal Dictionary nimmt an,
daß dieser Begriff im Mittelenglischen vom französischen bougre und vom lateinischen bulgarus,
oder „Bulgarier” oder „Ketzer” (auch Wucherer) abgeleitet wurde. Diese
Worte wurden im Zusammenhang mit den Ketzern, besonders mit den Albigensern verwendet. Das ist die erste
Bedeutung dieses Begriffs. Die zweite, herabsetzende Bedeutung, die mit Sodomie
in Verbindung gebracht wird, war ein späterer Gebrauch dieses Begriffs (ab
1555) und wurde offenbar verwendet, um die Sekte, die schon seit 300 Jahren
verfolgt wurde, zu verunglimpfen. Der Begriff pauvre bougre oder „erbärmlicher
Bulgare“, der auf die Albigenser bezogen wurde, gelangte als poor booger in die englische Sprache.
Die Herkunft der englischen Wörter bogle
oder boggle, die in Nordengland um
1505 gebraucht wurden, ist unklar. Die Bedeutung dieses Wortes hat mit
Gespenstern und quasi mit einer Bezeichnung des Teufels („bogieman”) zu tun.
Sicherlich hatte der Begriff poor bugger
seinen Ursprung in den Kreuzzügen gegen die Albigenser. Durchaus sinnvoll
erscheint also die Frage „Welchen Zusammenhang gibt es zwischen den Albigensern
und den Bulgaren?” Die Antwort ist einfach. Die Gemeinden Gottes kamen über
ihre Abzweigungen, die aus der
Pergamon-Ära (Offenbarung 2,12) bekannt waren und Paulizianer (oder
Paulikianer) genannt wurden, aus den Orten nach Europa, die unter der
Herrschaft von Konstantin Kapronymos und
Die
Kreuzzüge gegen die Albigenser
Der Verlauf der
Kreuzzüge gegen die Albigenser im 13 Jh. wird im Kapitel The General Distribution of the Sabbath-keeping Churches [122] („Die
allgemeine Verbreitung der sabbathaltenden Gemeinden“)) beschrieben. Bei diesen
Gruppen handelte es sich zweifellos um Sabbathalter. Die Bestrebungen der Römisch-Katholischen Kirche, diese Tatsache
zu verheimlichen, führte zu mehreren ungewöhnlichen Behauptungen, was die
linguistischen Ursprünge des Wortes Sabbatati
angeht. Wir wissen jedoch, daß sie Unitarier waren. Ihre Existenz ist bereits
vor 934 nachgewiesen, als der Bischof Atto aus Vireulli, wie schon mehrere
andere vor ihm, sich über sie beschwerte.
Als Vallenses
wurden sie erstmals 1179 bezeichnet, als sie von Raymond von Daventry
verurteilt wurden. Die Ältesten oder barbes
(„Onkel“), Bernard von Raymond und Raymond von Baimiac, wurden 1179, noch vor
dem Lateranischen Konzil, von Raymond von Daventry als Ketzer hingerichtet –
nicht weil sie Sabbathalter waren, sondern weil sie den Unitarismus vertraten).
Der Traktat, den Bernard de Fontcaudé
1180 gegen sie verfaßte, erwähnte die Bezeichnung Vallenses bereits in der Überschrift Adversus Vallenses et Arianos. Sie waren demnach Subordinatianer,
die die Dreieinigkeitslehre ablehnten. Diese Schrift von 1180 ist im Laufe des
20. Jahrhunderts verschwunden, doch die von Bernard de Fontcaudé im Jahre 1190
verfaßte Abhandlung Liber Contra
Vallenses existiert noch heute. Die Waldenser der damaligen Zeit scheinen
Unitarier gewesen zu sein und wurden von den Arianern unterschieden. Diese
Ansicht ist völlig korrekt und wird auch von der Gemeinde Gottes ausdrücklich
bejaht.. Der Arianismus, der nach der Meinung der Katholiken angeblich den
Heiligen Geist als ein vom Sohn geschaffenes Phänomen betrachtet, vertritt eine
Position, die sich vom biblischen Unitarismus unterscheidet. Diese beiden
Richtungen werden von den Katholiken als dieselbe oder als ähnliche Ketzerei
angesehen, wobei die Doktrin, nach der der Heilige Geist vom Sohn geschaffen
wurde, auch von den Katholiken stammen könnte, da es keinen tatsächlichen
Nachweis dieser Ansicht in den Texten gibt, die Arius zugeschrieben werden
(siehe die Kapitel Arianismus und
Semi-Arianismus [167] und Sozinianismus, Arianismus und Unitarismus
[185]).
Die Albigenser
waren nicht einfach eine Abzweigung der Waldenser. Die Albigenser bestanden aus
zwei Gruppen – den Vallenses oder
Waldensern und den lokalen Katharern. Die Katharer hatten völlig
unterschiedliche und häretische Ansichten über Gute und Böse, die auf einer
Abart des Gnostizismus und des manichäistischen Dualismus gründeten. Diese Unterschiede
hat unter anderem Ray Roennfeldt in seinen Thesen aufgedeckt (An Historical study of Christian Cosmic
Dualism, Andrews University) (vgl. das Kapitel Vegetarism and the Bible [183] („Vegetarismus und die Bibel“). Der Glaube wurde oft von diesen dualistischen
Richtungen angegriffen. Immer und überall, wo die Gemeinden Gottes gegründet
wurden, entwickelten viele sogenannte Konvertiten (Personen, die ihren Glauben
gewechselt haben) in den Mönchsorden merkwürdige Ansichten. Als Beispiel gelten
hier die Bogomilen. Bei den Bogomilen und den Bosniern wurde der klösterliche
Asketismus von einem ketzerischen Dualismus begleitet, der versuchte, die
Substanz des Glaubens zu zerstören. Auch unter den frühen Abzweigungen der
Paulizianer gab es Irrlehren. Eine dieser Irrlehren war die der
Melchisedekianer, die eine Ordnung schufen, die ganz anders als die
unitaristischen Lehren strukturiert war. Melchisedek wurde als ein engelartiger
Vermittler betrachtet, aber Christus als ein menschlicher Vermittler, der ihm untergeordnet
ist. Die katholischen Schriften nutzen die Gelegenheit, die heutigen
häretischen Gruppen mit den damaligen Gemeinden in Verbindung zu bringen. Sie
schreiben diese Irrlehren den Gemeinden Gottes zu, um ihre wahren Lehren in ein
schlechtes Licht zu setzen.
Der gesamte
Kreuzzug gegen die Albigenser wurde von Rom im 13. Jh. gegen beide Richtungen
geführt. Die Albigenser hatten Unterstützung in Südfrankreich, wo Graf Raymond
von Toulouse herrschte. Waldenser oder Sabbatati waren von größerer Bedeutung
und weiter verbreitet, unter anderem auch in Spanien. Die Lehren der Waldenser
lassen sich anhand der spanischen Abzweigung der Sabbatati rekonstruieren, da
sie unter intensiven Verfolgungen litten.
Die
Spanische Inquisition
Das Ziel der
Spanischen Inquisition bestand darin, den Staat von den sogenannten
judaisierenden Christen zu befreien. Man nannte sie Marranen (oder Schweine). Aus der Terminologie der
Inquisition und aufgrund der Kommentare wissen wir, daß sie nicht nur den
Sabbat hielten, sondern auch die Dreieinigkeitslehre ablehnten, die Heiligen
Tage und die Speisegesetze einhielten und die Sünden büßten. Das Edikt des Glaubens beschreibt die
Mittel, mit deren Hilfe die Identifizierung der Ketzer möglich war. Auch Juden
und Moslems wurden während der Verfolgungen festgenommen, obwohl diese
eigentlich nur gegen die Gemeinden Gottes gerichtet waren, die auch Sabbatati,
Insabbatati oder Insabathi genannt wurden. Das Edikt des Königs Alfons von
Aragonien ordnete die Vertreibung der Waldenser oder Insabbatati aus Spanien
an. Es ist im Kapitel The General
Distribution of the Sabbath-keeping Churches [122] („Die allgemeine
Verbreitung der sabbathaltenden Gemeinden“) auf Seite 20 zu finden.
Cecil Roth weist
in der Einführung seines Werkes The
Spanish Inquisition (Robert HaleLtd., London, 1937) warnend darauf hin, daß sich die Geschichte
wiederholt und daß das Buch nicht als eine Satire auf die damaligen Ereignisse
in Europa gemeint ist. Die jüdischen Wissenschaftler haben versucht, die
Spanische Inquisition als eine Form der jüdischen Verfolgung darzustellen. Die
schlimmste Entstellung ist womöglich trotz ausführlicher Begründung das neueste
Werk von B. Netanyahu The Origins of the
Spanish Inquisition in Fifteenth Century Spain (Random House, New York, 1995). Netanyahu
versucht den Leser davon zu überzeugen, daß das Ziel der Inquisition die
jüdische Gemeinde war, obwohl das überhaupt nicht wahr ist und die
Wissenschaftler diese Position öffentlich angegriffen haben. Die Rabbis dieser
Zeit haben eindeutig darauf hingewiesen, daß sie nicht Juden, sondern Christen
seien. Sie waren keine als Christen getarnten Juden. In Wirklichkeit waren sie
die Gemeinde Gottes.
Die Zahl der
Inquisitionsgerichte in Spanien stieg zuletzt auf fünfzehn. Sie waren
vollständig mit Beamten und Ausrüstung ausgestattet und existierten in
Barcelona, Cordoba, Cuenca, Granada, Llerana, Logrono, Madrid, Murcia,
Santiago, Sevilla, Toledo, Valencia, Valladolid und Saragossa. Ein weiteres für
die Balearen bestand in Palma de Mallorca.
Am furchtbarsten
und stärksten waren die Gerichte in den Gebieten Madrid, Sevilla und Toledo
tätig, da hier eine größere Zahl von Neuen
Christen (Bezeichnung von Roth) lebte. Ihre Tätigkeit war am stärksten in
Altkastilien und in Andalusien zu spüren, und ließ in Katalonien nach dem
ersten Wüten am stärksten nach (Roth, ebd.,
Kap. The Unholy Office, S. 73). Am Ende des 15. Jh. wurde schließlich
alles unter der Leitung des zentralen Rats El
Consejo de la Suprema y General Inquisición, auch La Suprema genannt, koordiniert. Anfangs war dieser Rat auf
Kastilien begrenzt. Dieser Rat nahm neben den vier großen Staatsräten, die
unter der Leitung von Ferdinand und Isabella standen – dem Staatsrat, dem Rat
der Finanzen, den Räten von Kastilien und von Aragon – einen bedeutenden Platz
in der Ausübung der königlichen Mancht ein (Roth, ebd., S. 74). Im Jahre 1647
wurde angeordnet, daß alle Urteile aller Gerichte diesem Rat zur Überprüfung
vorgelegt werden sollten. Das geschah offenbar mit dem Ziel, die die unbeschreibliche
Härte der lokalen Verfolgungen zu mildern. Diese Härte war das Ergebnis eines
grundsätzlichen Irrtums im Verständnis des Wesens dieser Angelegenheit.
Netanyahu (The Origins of the Spanish
Inquisition in Fifteenth Century Spain, S.
440-459) berichtet von dem Irrtum, daß alle Irrtümer des Geistes als Ketzereien
verurteilt wurden, was im Widerspruch zur Feststellung des Augustinus steht: Ich kann Fehler machen, bin aber noch kein Ketzer (De Trinitate, c, 3, n. 5-6). Der
Inquisitor Juan de Torquemada hat die Prozesse von Toledo angegriffen, wegen
der dort aufgetretenen offensichtlichen Unregelmäßigkeiten und ihres
vorsätzlichen nichtbiblischen Antisemitismus. Für ihn lag diese Angelegenheit
auf derselben Ebene wie diejenige von Haman gegen Mordechai und die Juden
(ebd., S. 449). Er wurde dann mit der Frage des Wesens Gottes aus der Sicht der
Waldenser konfrontiert. Die Toledaner hatten, wie auch anderswo, dies zu einer
Angelegenheit des allgemein bekannten Wissens (publica fama) erklärt (auch in Valencia, wie wir noch sehen
werden), daß die Ketzer Beschneidungen
vornehmen, die wahre Gottheit Christi leugnen und dazu die Gegenwart seines
Leibes in der Heiligen Eucharistie leugneten. Torquemada meinte, die
Toledaner hätten jedoch nicht bewiesen, daß die Konvertiten, weder durch ihr freiwilliges Bekenntnis noch
durch Aussagen unschuldiger Zeugen, nach ihrer Taufe jemals gesagt hätten, daß
sie an irgendetwas anderes glaubten als das, was die Mutter Kirche selbst
glaubte (vgl. Netanyahu, S. 444). Torquemada verurteilte die Anklage als
falsch, verlogen und böswillig und wies aufgrund dieser selbst nach, daß der
gesamte Prozeß ungültig war (ebd., S. 445). Warum sollte dies der Fall sein?
Wir wissen mit Sicherheit, daß die Waldenser den Unitarismus schon seit Jahrhunderten
praktizierten. Der Unterschied lag in der untergeordneten Göttlichkeit Christi.
Doch damit wurde die Göttlichkeit Christi gar nicht abgeleugnet. Aber es ging
hier noch um viel mehr. Torquemada erkannte, daß die Prozesse von Toledo rein antisemitisch waren
und daß dieser Rassismus keine biblische Begründung hatte. Deshalb mußte er
diesen Irrtum so scharf wie nur möglich verurteilen. Das Problem lag auch in
der Tatsache, daß sich die Verdächtigungen und die Verhöre sogar bis in die
vierte Generation der Bekehrten erstreckten. Er griff diese Prämissen vom
Standpunkt der Bekehrungen anderer Elemente der Antitrinitarier aus an, die er
als manichäische Irrlehren bei den Bosniern bezeichnete. Er war mit dem Problem
der Bekehrung der Könige innerhalb des Heiligen Römischen Reiches konfrontiert.
Torquemada sagte dazu:
In unseren Zeiten
wurde der berühmte König Polens, der Vater des jetzigen Königs, zusammen mit
einer großen Zahl von Würdenträgern und einer Unzahl von Menschen vom Heidentum
zum Christentum bekehrt. [Wladislaw II., früher Jagiello, der Großfürst
von Litauen, trat im Jahre 1386 zum Christentum über, als er König wurde. Er
war der Vater von Kasimir IV., der im Jahre 1447 den Thron bestieg.] Später,
zur Zeit von Papst Eugen IV., wurden Bosniens König und Königin sowie eine
große Zahl von anderen Würdenträgern von der manichäistischen Irrlehre zum
Christentum bekehrt (König Stephan Thomas wurde im Jahre 1445 zum Katholizmus
bekehrt). Zudem werden fast jeden Tag zahlreiche Mohammedaner [von der christlichen
Wahrheit] überzeugt. Es wäre ein großer Skandal und ein unerträglicher Frevel,
zu behaupten, daß man alle diese Menschen mindestens bis in die vierte
Generation unter den Verdacht stellen solle, daß sie den Götzendienst und die
Irrlehren praktizierten, an die ihre
Väter für eine gewisse Zeit geglaubt hatten (Tractatus, S. 54-55; vgl. Netanyahu, S. 452).
Torquemada schrieb den Traktat gegen den bosnischen
Bogomilismus (Symbolum pro informatione
Manichaeorum, Hrsg. N. Lopez Martinez und Proano Gil, 1958, S. 23, n. 68
und Netanyahu, n. 119). Hier sehen wir die Wirkungen der Vermischung des
manichäischen Dualismus, wo die Paulizianer den unitarischen Glauben begründet
hatten. Die Gemeinde Gottes wurde in dieser Zeit nach Herzegowina und weiter nach Norden verdrängt
(siehe auch das Kapitel The General
Distribution of the Sabbath-keeping Churches [122]). Das Problem ist
offensichtlich, doch nicht aus der Sicht Netanyahus. Bis zum 15. Jahrhundert
waren die Waldenser soweit in den Untergrund gedrängt worden, daß sie durch die
Verfolgungen so gut wie ausgerottet schienen. Die Toledaner waren, neben
anderen, so maßlos und tyrannisch geworden, daß sie die Inquisition zu einer
systematischen antisemitischen Vernichtung auszunutzen begannen. Dies würde die
Position der Aktivitäten der Kirche bei der Konsolidierung des Reiches
untergraben, und Torquemada war gezwungen, diese Exzesse einzuschränken, damit eine stabile Wechselwirkung im Inneren
des Reiches zustandekäme, und die Bekehrung von denjenigen als Vorteil
angesehen werden könnte, die das Ziel der Bekehrung waren. Der Rassismus und
die Gier der Inquisition setzten diesen Anreiz und damit die Expansion aufs
Spiel.
Torquemada war
klug genug, um zu wissen, wie das Urteil der Geschichte lauten würde. Deshalb
war er gezwungen, die Inquisition abzumildern. Schließlich ließ die Kirche die
Inquisition noch drei Jahrhunderte lang fortdauern, gegen dieselben Prozesse
und Doktrinen, deren Existenz verleugnet wurde, und zerstörte letztendlich ihre
eigene Machtbasis (siehe Malachi Martin,
Decline and Fall of the Roman Church,
Secker and Warburg, London, S. 254f).
Die
Beweise aus den Edikten
Bei der
Einrichtung der Inquisition in einem Gebiet ging man nach einer Prozedur von
Edikten vor. Nach dem Edikt der Gnade,
das Ketzer ermutigte, sich zu melden und ihre Ketzerei zu bekennen, und das
gewöhnlich für dreißig bis vierzig Tage gültig war (Roth, S. 75), begann die
Inquisition das Gebiet zu säubern. Dies setzte einen Prozeß von Beschuldigungen
in Gang. Die folgende Phase bestand in der periodischen Herausgabe eines Edikts des Glaubens, das die Arten oder
Indikatoren der Ketzerei zu erkennen half, gegen die Anklage erhoben werden
kann. Das System der Bekenntnisse verstärkte dann dieses Übel.
Das Edikt des Glaubens wurde im Jahre 1519
vom Inquisitor von Valencia Andres de Palacio herausgegeben (es wurde von Roth
veröffentlicht). Aus dem Edikt läßt sich ersehen, daß es allgemeine Tatsachen
und eine Reihe von Vorstellungen des Aberglaubens enthält und drei Gruppen von
Menschen unterscheidet. Die erste war die Gruppe der Christen, die die
Tendenzen des sogenannten Judaismus wahrten. In der zweiten Gruppe waren die
Juden selbst, und die dritte Gruppe bildeten die Moslems. Das Edikt zeigt klar
und deutlich, daß die Ketzerei tief in die Kirche selbst eingedrungen war, da
insbesondere die Aussagen über das Heilige Abendmahl in diesem Edikt als
Zeichen der Ketzerei identifiziert wurden. Die Sabbatarier verwendeten auch
kein Kreuz oder kein Kreuzzeichen. Aus einer Untersuchung dieses Edikts ergibt
sich, daß die genannte Gruppe offenbar die Seele verneinte, ebenso die Lehren
von Himmel und Hölle. Sie hielten Sabbat vom Sonnenuntergang am Freitag bis zum
Sonnenuntergang am Samstag und ließen an diesem Tag die Arbeit ruhen. Sie
feierten das Fest des Ungesäuerten Brotes und Passah mit bitteren Kräutern. Am
Versöhnungstag fasteten sie (Roth, S. 77).
Die allgemeinen
Ansichten und Vorschriften der Juden wurden ebenfalls in das Verzeichnis des
Edikts aufgenommen. Auf solche Weise verschmelzen beide Systeme im Edikt soweit
zu einem, daß es schwer ist, die genauen Unterschiede zwischen beiden
festzustellen. Sie hielten die Speisegesetze ein und beerdigten auch ihre Toten
nach jüdischer Sitte. Viele Stellen
im Edikt enthalten auch Vorstellungen des Aberglaubens, die den Sekten
zugeschrieben wurden (z.B. S. 78). Sie lehnten den Marienkult ab, und dies
wurde mit der jüdischen Verleugnung des Messias in Zusammenhang gebracht.
Sie lehnten die
Lehre der Transsubstantiation ab, ebenso die katholische Form der Lehre der
Allgegenwart, die platonischen Animismus darstellt (S. 78). Es scheint, daß
hier auch die Pfarrer einbezogen waren, und wurden ab der Weihe identifiziert.
Es scheint, daß sich die Christen sogar wie die Juden kleideten und die
Bekleidungsgesetze befolgten (S. 79). Sie versammelten sich in Hauskirchen und
lasen die Bibel in der Volkssprache. Das Eigentum der Ketzer wurde konfisziert,
was den Eifer der Inquisitoren zweifellos unterstützte.
Roth beschreibt
die Eröffnung des Inquisitionsgerichts in
Lissabon, bevor es im Opernhaus abgehalten wurde. Die Berichte der
Augenzeugen (im Annual Register des
Jahres 1821 abgedruckt) zeigen zweifelsfrei, daß in den Kerkern, die noch bis
ins Jahr 1809 benutzt wurden (laut einer Inschrift an der Kerkerwand),
menschliche Überreste gefunden wurden. Darunter befanden sich auch Mönche,
deren Kleidung unter den Überresten der Toten im Kerker gefunden wurde, unter
den älteren und jüngeren Zeugnissen der Morde, die hier begangen wurden (Roth,
S. 84-85).
Eine Zeit von
drei bis vier Jahren zwischen der Verhaftung und dem Urteil war allgemein
üblich, aber in einem konkreten Fall
vergingen sogar vierzig Jahre. Schwangere Frauen wurden zum Scheiterhaufen
geführt, und der Mißbrauch von
Gefangenen, oder in manchen Fällen Liebesverhältnisse mit ihnen, veranlaßte Kardinal Ximenes im Jahre 1512,
jedem Inquisitionsbeamten die Todesstrafe anzudrohen, der Liebesbeziehungen zu
einem Gefangenen pflegte. Die Kosten der Haft sollte der Häftling selbst
bezahlen, unabhängig davon, wie lange sie dauerte. In einem Fall wurden die
Kosten für die vierjährige Haft einer Nonne in Sizilien, die im Jahre 1703
freigesprochen und aus der Haft entlassen wurde, noch im Jahre 1872 von ihren
Erben abbezahlt (Roth, S. 87). Gewöhnlich wurde das Vermögen schon zur Zeit der
Verhaftung konfisziert.
Marranen oder
Neue Christen konnte man nicht als Zeugen bei einem Rechtsfall hinzuziehen. Die
Anonymität der Zeugennamen wurde im 13. Jahrhundert eingeführt, um im
Anklageprozeß die Schwächeren vor den Stärkeren zu schützen. Das wurde jedoch
zum Normalfall, und niemand konnte mehr die Namen seiner Ankläger herausfinden.
(Roth weist völlig richtig darauf hin, daß sogar noch im Jahre 1836 in England
angeklagte Verbrecher keinen Anwalts nehmen konnten und keine Kopien der gegen
sie gerichteten Anklagen einsehen konnten). Es waren barbarische Zeiten, und
die Inquisition war die schlimmste Barbarei.
Die europäische
Inquisition begann in Südfrankreich im 13. Jahrhundert und endete 1846 im
Kirchenstaat. Im Zeitabschnitt zwischen den Jahren 1823 und 1846 wurden allein
im Kirchenstaat 200 000 Menschen zum Tode, zu lebenslänglicher Haft, zum
Exil oder zum Galeerendienst verurteilt, 1,5 Millionen standen unter Aufsicht
(siehe Malachi Martin, The Decline and
Fall of the Roman Church, S. 254, und das Kapitel The General Distribution of the Sabbath-keeping Churches [122]).
Roth zitiert die Verzweiflung der Menschen in Südfrankreich seit dem Beginn des
13. Jahrhunderts:
„Hört mich an, meine
Herren! Ich bin kein Ketzer, weil ich eine Frau habe, mit der ich lebe, und ich
habe Kinder; und ich esse Fleisch, und lüge, und schimpfe, doch ich bin ein
getreuer Christ” (Roth, S. 90).
Diese Verleugnung
des Zölibats (der Ehelosigkeit) und des vegetarischen Asketismus war notwendig,
da die manichäischen Dualisten, die als „Katharer” oder „die Reinen” bekannt
waren und nach Reinigung durch Askese strebten,
eine häretische Sekte waren, die schließlich die Verfolgung auf
Sabbatarier und Waldenser lenkten. Die manichäischen Dualisten unterschieden
sich von den Waldensern; dieser Unterschied zwischen Katharern und Waldensern
wurde von Weber anerkannt, aber nicht korrekt identifiziert. Die Sabbatarier
hielten die biblischen Gesetze durchgehend ein. Ihre Gottesdienste fanden im
Geheimen statt, deswegen ist es schwer, diesen Unterschied zu identifizieren.
Doch wir wissen, daß sie den Sabbat einhielten, und man kann ihre
charakteristischen Gottesdienste ausführlicher anhand der östlichen Zweige der
Sabbatarier identifizieren.
Wir wissen genau,
welche Lehren die ungarischen und die transsylvanischen Gemeinden in der Zeit
zwischen dem 15. und 19. Jahrhundert vertraten. Diese Zeugnisse hat der
Oberrabbiner von Budapest Dr. Samuel Kohn zusammengetragen, in seinem Werk
DIE SABBATHARIER IN SIEBENBÜRGEN, ihre
Geschichte, Literatur und Dogmatik, Budapest, Verlag von Singer &
Wolfer, 1894, Leipzig, Verlag von Franz Wagner. Diese Punkte werden in dem
Kapitel The General Distribution of the
Sabbath-keeping Churches [122] aufgeführt).
In bezug auf
Franz David oder Davidis, der im Jahre 1579 in der Gefängnishaft starb, wissen
wir mit Sicherheit, daß die genannte Abzweigung der Waldenser oder Sabbatarier
den Unitarismus vertraten. Kohn behauptet, daß sie das ursprüngliche und wahre
Christentum erneut haben (Kohn, S. 8). Die Unitarische Kirche spaltete sich im
Jahre 1579 in die Gruppen der Sonntags- und der Sabbatverehrer. Die Abzweigung
der Sabbatverehrer, die unter der Führung von Eossi tätig war, blieb der
Wahrheit am stärksten treu:
1.
Sie
praktizierten die Erwachsenentaufe.
2.
Sie
hielten Sabbat und die Heiligen Tage, darunter das Passahfest, das Fest der
Ungesäuerten Brote, Pfingsten, Versöhnungstag, das Laubhüttenfest und den
Letzten Großen Tag, aber auch, und das ist sehr wichtig, die Tage des
Neumondes. Das Posaunenfest wird in den Hymnen nicht gesondert erwähnt; es
scheint, daß es zusammen mit den Hymnen der Neumonde gefeiert worden ist.
3.
Die
charakteristischen Lehren beinhalteten das physische Tausendjährige Reich (von
1000 Jahren Dauer), zu dessen Beginn
Christus wiederkehrt und Juda und Israel wieder zusammenführt.
4.
Sie
verwendeten den Kalender Gottes, der sich auf die Neumonde bezieht.
5.
Sie
lehrten zwei Auferstehungen – eine zum ewigen Leben bei der Wiederkunft
Christi, die andere zum Gericht am Ende des Tausendjährigen Reiches.
6.
Sie
lehrten die Erlösung durch die Gnade, aber die Gesetze sollten trotzdem
eingehalten werden.
7.
Sie
glaubten, daß Gott die Menschen beruft, aber daß die Welt im allgemeinen mit
Blindheit geschlagen sei.
8.
Ihre
Lehre von Christus war voll und ganz subordinatianisch und unitarisch.
(Siehe
das Kapitel The General Distribution of
the Sabbath-keeping Churces [122], S.
22).
Daraus ergibt
sich, daß die frühe Sabbatgemeinde unitarisch war und die Gesetze des Alten
Testaments hielt. Der Sabbat war nur ein Aspekt ihres Glaubenssystems, der auf
die Anbetung des Einzigen Wahren Gottes hinwies. In Osteuropa wurden sie vor
allem wegen ihrer konsequenten unitarischen Position verfolgt, die
Sabbateinhaltung spielte eher eine untergeordnete Rolle. (Franz Davidis blieb
lieber bis zu seinem Tod im Gefängnis, als den unitarischen Glauben zu
kompromittieren, obwohl sogar Socinus, der selbst Unitarier war, ihn zu
überzeugen versuchte, seinen strengen Unitarismus abzuändern, um sein Leben zu
retten.) Ihnen wurde der Status einer Kirche verweigert, obwohl sogar den Juden
dieser Status gewährt wurde. Ihnen wurde der Zugang zur Drucktechnik
verweigert, deshalb haben sie ihre Predigten handschriftlich nach einer Art
Kettenbriefsystem verbreitet. Um dieses System zu unterdrücken, ging die
Inquisition besonders schonungslos vor, und im Westen war sogar die Einhaltung
des Sabbats allein Grund genug, um jemanden hinzurichten.
Gleichzeitig mit
der Reformation begann sich der Unitarismus zu verbreiten, und dies war nicht
nur auf diejenigen begrenzt, die den Sabbat einhielten. Anders gesagt, nicht
alle Unitarier waren treue Mitglieder der Gemeinde Gottes, ebenso wie auch
nicht alle, die den Sabbat einhielten, Gemeindemitglieder waren.
Der Begriff „Unitarismus” stammt von dem lateinischen
Wort „unitarius“ und wurde zum ersten
Mal von einer legalisierten Religion im Jahre 1600 verwendet (Encyclopedia of Religion and Ethics (ERE),
Artikel Unitarianism, Bd. 12, S. 519).
Er gründet sich speziell auf die Konzeption, daß Gott eine einzige Person ist,
im Gegensatz zur orthodoxen Lehre von der
Dreieinigkeit Gottes. Den Begriff „Trinitarismus” im heutigen Sinn
gebrauchte als erster Servetus im Jahre 1546 (ebd.). Das Adjektiv unitarisch wird manchmal auch über die Grenzen des
Christentums hinaus verwendet (z. B. sind sowohl der Islam als auch das
Judentum in ihrer Grundlage unitarisch).
Den griechischen
Text des Neuen Testaments veröffentlichte im Jahre 1516 Erasmus von Rotterdam.
Seine Auslassung des
berühmten Trinitarischen Verses (1
Das Neue
Testament, das Erasmus veröffentlichte, veranlaßte Kenner der griechischen
Sprache dazu, die Voraussetzungen zu überprüfen, auf die der orthodoxe
Trinitarismus sich stützte. Sehr wichtig war die Tatsache, daß die Menschen
Europas freier und offener waren, und auch die Inquisition war begrenzt. Die
Wissenschaftler begannen zu merken, daß die Bibel gar nicht trinitarisch ist,
sondern in Wirklichkeit den Unitarismus unterstützt. Der erste Schritt auf dem
europäischen Kontinent bei offiziell gedruckten Werken mit antitrinitarischem
Charakter (im Gegensatz zu den Lehren der Gemeinden vor der Reformation und der
Druckpresse) waren die Werke von Martin Cellarius (1499-1564). Er war der
Schüler von Reuchlin und der erste Anhänger und Freund von Luther (ERE, ibid., S. 519-520). In seinem Werk de Operibus Dei gebraucht er den Begriff
„deus” in bezug auf Christus in
demselben Sinne, wie auch die Christen „dei”
oder „Die Söhne des Allerhöchsten” genannt werden können (ibid.). In Bezugnahme
auf das Kapitel The Early Theology of the
Godhead [127] wird gezeigt, daß
der erwähnte Begriff direkt von Irenäus und den ersten Jüngern der Apostel
sowie von den Aposteln selbst stammt. Das sorgte für einige Aufregung, und die
moderne akademische Gemeinde beteiligte sich an der Diskussion seit den
Schriften von Servetus aus dem Jahre 1531. In Neapel leitete der Spanier Valdes
eine religiöse Gruppe zum Studium der Heiligen Schrift, bis zu seinem Tod im Jahre 1541 (ERE, ibid., S. 520). Man beachte hier
den Namen „Valdes“. Der Mann scheint von seinem Namen und seiner Theologie her
ein spanischer Waldenser gewesen zu sein (siehe auch das Kapitel The General Distribution of the
Sabbath-keeping Churches [122]). Im Jahre 1539 warnte Melanchthon den Senat
von Venedig vor dem in Norditalien weitverbreiteten Servetismus (ibid.). Der
Vertreter dieser Gruppe Bernard Ochino (1487-1565) aus Siena reiste gemächlich
über die Schweiz nach London und diente hier in der Strangers Church
(1550-1553) bis zu der Zeit, als die Königin Maria bei ihrem Versuch, den
Katholizismus zu erneuern, diese Kirche auflöste. Ochino wurde gezwungen, nach
Zürich zu gehen, emigirierte dann nach
Polen und schloß sich dort den Antitrinitariern an. Im Jahre 1539 wurde
Katharina Vogel, die Frau eines Juweliers, in Krakau im Alter von achtzig
Jahren verbrannt, weil sie an „die Existenz des Einen Gottes“ glaubte, „des
Schöpfers aller sichtbaren und unsichtbaren Dinge in der Welt, den die Vernunft
eines Menschen nicht erfassen kann“. Diese Bewegung ist das Werk in Europa in
einer Zeit, die wir als die Thyatiranische Ära identifizieren. Eine
antitrinitarische Bewegung zeigt sich auch auf der zweiten Synode der
reformierten Kirchen im Jahre 1556, und im Jahre 1558 übernahm der Piemontese
Blandrata die Führung dieser Gemeinde. Die holländischen Wiedertäufer
(Anabaptisten) waren ebenfalls Unitarier und standen unter der Leitung von
David
Während der
Regierungszeit von Heinrich VIII. [von England] emigrierten Tausende von
Protestanten aus Deutschland, dem Elsaß und den Niederlanden nach England, aber
in der Strangers Church unter Eduard VI. fand man auch Franzosen, Wallonen,
Italiener und Spanier. (ERE, ibid.,
S. 520).
Diese Menschen
suchten Zuflucht in England mit der Hilfe der dortigen unitarischen Gemeinde.
Diese Gemeinde war die wahre Gemeinde Gottes. England wurde seit dem 15.
Jahrhundert offener für das öffentliche Bekenntnis, woran die Publikationen des
Bischofs Richard Peacock von Chichester einen großen Anteil hatten. Zu dieser
Zeit kam es zur Trennung zwischen Lollarden und Anabaptisten.
Am 28. Dezember 1548
schwor der Geistliche
Sie waren
Unitarier. In dieser Entwicklungsphase der Kirche und in der Zeit der
Verfolgungen läßt sich weder der Binitarismus noch der Ditheismus nachweisen.
Die Kirche hatte noch keine Doktrin. Im Jahre 1551 wurde der Chirurg Georg van
Parris aus Mainz hingerichtet, weil er behauptete, daß der einzige Gott Gott
der Vater ist, aber Christus kein wahrer Gott ist (ERE, op. cit.). Die unitarische Bewegung in Polen war bereits der
protestantischen Synode beigetreiten, als Blandrata im Jahre 1558 dort ankam,
wurde jedoch sieben Jahre später ausgeschlossen. Sie lehnten jeden anderen
Namen für sich als „Christen” ab (ERE,
ibid.). Faustus Socinus (1539-1604), der Neffe von Lelius Socinus aus Siena
(1525-1562), der ein Freund von Calvin und Melanchthon war, besuchte England
und ging dann nach Polen. 1578 besuchte er Blandrata in Transsylvanien und
argumentierte gegen Franz David, der jede Form der Verehrung in bezug auf
Christus ablehnte. 1579 ließ er sich in Polen nieder. Die Sozianianer wurden
nach ihm benannt. Doch sie waren schon lange vor Socinus hier ansässig und sind
ein Teil der Kirche, die wir auch als Waldenser kennen. Dieses Aspekt wird im
Kapitel Socinianism, Arianism and
Unitarianism [185] behandelt.
Die unitarische
Gemeinde Polens wurde von der Katholischen Kirche bis zu ihrer Vernichtung
verfolgt (siehe ERE, op. cit.). Socinus erlaubte den Gebrauch des
Begriffs „Gott” auch in bezug auf Christus, doch nur in einer untergeordneten
Bedeutung. Diese Bedeutung war dieselbe, in der auch Irenäus diesen Begriff
gebrauchte (siehe auch das Kapitel Early Theology of the Godhead [127]).
Franz David (oder
Davidis) aus der ungarischen Kirche in Transsylvanien wurde im Schloß Deva
eingekerkert, weil er das Gebet zu Christus oder irgendeine andere Form
seiner Verehrung ablehnte. Er starb im November 1579 in der Gefängnishaft. Wir
wissen von der gut dokumentierten Geschichte seiner Nachfolger ab Eossi, daß
sie nicht nur Unitarier waren, sondern auch den Sabbat, die Neumonde und die
Heiligen Tage eingehalten haben. Das Posaunenfest wurde mit dem Neumond
gefeiert, und die spezifischen Hymnen des Neumond standen gegenüber den
spezifischen Hymnen des Posaunenfests im Vordergrund (siehe das Kapitel The General Distribution of the
Sabbath-keeping Churches [122]).
Die Bezeichnung Unitarismus wurde als Wort erstmals von
Melius verwendet. Es erschien zum ersten Mal im Jahre 1600 in einem Dokument
des Dekrets der Synode von Lecsfalva zusammengestellt wurde. Offiziell wurde
dieser Begriff von der Gemeinde im Jahre 1638 angenommen. Die ungarischen
Gemeinden wurden danach zwei Jahrhunderte hindurch verfolgt, und ihr Eigentum
wurde konfisziert. Am Anfang des 20. Jahrhunderts hatten deren Nachkommen unter
den Szeklern in Transsylvanien und mit einigen in Ungarn 140 Gemeinden. Ihr
Kirchenliederbuch, das im Jahre 1865 veröffentlicht wurde, enthielt keine
Vorschriften für die Anbetung von Christus (ERE,
ibid.). Das einzige wahre und treue Überbleibsel dieser Gemeinden, das heute
noch besteht, sind die Transkarpatier, die noch immer unitarische Sabbathalter
sind.
Das Anwachsen des
Unitarismus in England rührte vom Wunsch her, den richtigen apostolischen
Glauben zu erneuern. Die großen Denker Englands waren sich darüber im klaren,
daß das Neue Testament nicht trinitarisch, sondern unitarisch ist. Diese
hervorragenden Menschen machten sich daran, die Frage der ursprünglichen Lehren
der Kirche zu klären. Dieser Prozeß begann vielleicht schon mit der Tätigkeit
von Richard Hooker (1553-1600) und
Paul Best
(1590-1657) wurde während seiner Reise nach Polen bekehrt. Die Unitarier von
Transsylvanien haben auch Milton beeinflußt (siehe Areopagitica, London, 1644 – Auszug aus ERE, ibid.). Die Kirchenversammlungen von Canterbury und York
verboten im Juni 1640 die Einfuhr von unitarischen (sozinianischen) Büchern,
und im Jahre 1648 faßte das Parlament den Beschluß, wonach die Leugnung der
Dreieinigkeit ein Kapitalverbrechen war. Doch
Das Presbyterian
College in Carmarthen setzte die Serie der Lehranstalten fort, deren erste von
Samuel
Der andere
Unitarier war
Diese Kapelle verwendete die englische Liturgie, verehrte aber allein Gott den Vater. Als Thomas Belsham (1750-1829) im Jahre 1789 als Theologielehrer im Harkney College eingesetzt wurde, hat er auch die Sache der Unitarier vorangebracht, und zwar einfach durch die Möglichkeit des Studiums der Heiligen Schrift. Das war mit der Hilfe des unitarischen Ve