Christliche Kirchen Gottes

[170]

 

 

Die Rolle des Vierten Gebotes in den historischen, Sabbat  haltenden Gemeinden

 [170]

(Ausgabe 1.0 19960728-20000122)

Die Gemeinden, die den Sabbat im Laufe der letzten zwei Jahrhunderte eingehalten haben, nahmen der Einfachheit halber an, daß das zentrale Thema und das Kennzeichen des Christentums der Sabbat sei und daß die Gemeinden durch die Geschichte hindurch wegen ihrer Treue zum Sabbat verfolgt wurden. Eine solche Ansicht ist jedoch bestenfalls nur teilweise wahr und verstellt zudem den Blick auf die wirklich grundlegenden Aspekte des Glaubens, weswegen die Gemeinden Gottes verfolgt wurden, aber auch auf diejenigen Aspekte, die die Kennzeichen des Auserwählten sind. Dieses Kapitel zeigt, daß es tatsächlich eine ganze Reihe von Merkmalen gibt, die die Auserwählten charakterisieren und die dazu verwendet wurden, um sie in den Zeiten der Verfolgung, die allgemein als Inquisition bezeichnet wird, zu isolieren und aus der Gesellschaft auszugrenzen.

 

Christian Churches of God

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 (Copyright ã 1996, 1998, 2000 Wade Cox)

(Tr. 2003)

 

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Die Rolle des Vierten Gebotes in den historischen, Sabbat haltenden Gemeinden [170]

 


Einführung

Im Kapitel The General Distribution of the Sabbath-keeping Churches [122] („Die allge­meine Ausbreitung der Sabbat haltenden Gemeinden“) wurde festgestellt, daß durch die Geschichte hindurch eine ununterbrochene Abfolge von Gemeinden existierte, die den Sabbat einhielten, die mehr oder weniger in ständiger Opposition zu dem dominierenden System der Kirche standen und deswegen von diesem System verfolgt wurden. Die Gemeinden, die den Sabbat im Laufe der letzten zwei Jahrhunderte eingehalten haben, nahmen der Einfachheit halber an, daß das zentrale Thema und das Kennzeichen des Christentums der Sabbat sei und daß die Gemeinden durch die Geschichte hindurch wegen ihrer Treue zum Sabbat verfolgt wurden. Eine solche Ansicht ist jedoch bestenfalls nur teilweise wahr und verstellt zudem den Blick auf die wirklich grundlegenden Aspekte des Glaubens, weswegen die Gemeinden Gottes verfolgt wurden, aber auch auf diejenigen Aspekte, die die Kennzeichen des Auserwählten sind. Dieses Kapitel zeigt, daß es tatsächlich eine ganze Reihe von Merkmalen gibt, die die Auserwählten charakterisieren, und die wurden dazu verwendet wurden, um sie in den Zeiten der Verfolgung, die allgemein als Inquisition bezeichnet wird, zu isolieren und aus der Gesellschaft auszugrenzen.. Das orthodoxe System der Hauptrichtung setzte viele dieser Kennzeichen  des Glaubens dazu ein, um Informationen und Beweise gegen die Auserwählten zu sammeln und sie damit zu vernichten.

 

Die Gemeinden Gottes des Zwanzigsten Jahrhunderts begingen den schwerwiegenden Irrtum, anzunehmen, daß das, was sie glaubten, besser oder vollständiger als das Glaubensverständnis der Kirchen früherer Zeiten sei. sie Das erwies sich jedoch als zerstörerisch für die späteren Gemeinden und war auf die Unkenntnis über die Doktrinen der früheren Gemeinden und die Anwendung ihrer Glaubensdoktrin zurückzuführen. Als völlig sicher gilt die Tatsache, daß die späteren Zeiten alle charakteristischen Merkmale des Systems von Sardes und Laodizea (Offenbarung 3,1-6; 14-22) aufwiesen. In dieser Unwissenheit kommt dann ein einziges wahres System zum Vorschein: das von Philadelphia (Offenbarung 3,7-13), das zwar über nicht viel Kraft verfügt, aber die Gebote Gottes einhält und für Jesus Christus Zeugnis ablegt (Offenbarung 12,17; 14,12).

 

Doch was sagt die Bibel genau über die Kennzeichen der Auserwählten, und welche Rolle spielt der Sabbat in diesem Prozeß der Identifizierung?

 

Der Sabbat als eines der Zeichen der Gemeinde

Die Bedeutung des Sabbats wird im Vierten Gebot ausgedrückt. Seine Bedeutung wird in den Kapiteln Das Gesetz und das Vierte Gebot [256] und The Sabbath [031] („Der Sabbat“) ausführlich erläutert und wird auch im zweiten Buch Mose (Exodus 20,8; 10, 11) sowie im im fünften Buch Mose (Deuteronomium 5,12) verdeutlicht.

 

Der Sabbat wird als ein Zeichen von Gottes Volk erwähnt. Das ist ein Zeichen, das zwischen uns und Gott besteht und uns heilig macht.

 

Exodus 31,12-14  12 Und der HERR redete mit Mose und sprach: 13 „Sage den Israeliten: Haltet meinen Sabbat; denn er ist ein Zeichen zwischen mir und euch von Geschlecht zu Geschlecht, damit ihr erkennt, daß ich der HERR bin, der euch heiligt. 14 Darum haltet meinen Sabbat, denn er soll auch euch heilig sein. Wer ihn entheiligt, der soll des Todes sterben. Denn wer eine Arbeit am Sabbat tut, der soll ausgerottet werden aus seinem Volk.”

 

Oft wird fälschlicherweise angenommen, daß der hier angesprochene Sabbat sich nur auf den wöchentlichen Sabbattag bezieht. Dies ist jedoch nicht korrekt. Der Begriff des Sabbat bezieht sich hier auf die gesamte Reihe der Heiligen Tage, die dem Gottesdienst gewidmet sind. Die genannte Todesstrafe ist geistiger Art.

 

Der Sabbat ist nicht ausschließlich ein Kennzeichen der christlichen Kirche. Er ist auch ein Zeichen der Menschen des Bundes Gottes, die noch nicht in die Kirche gerufen wurden. Wenn er das Zeichen der Auserwählten wäre, würde der Judaismus zur ersten Auferstehung gehören. Das ist aber nicht der Fall.

 

Andere Zeichen der Auserwählten

Das zweite Zeichen der Auserwählten ist das Passahfest (Fest der Ungesäuerten Brote).

 

Exodus 13,9-16: 9 Darum soll es dir wie ein Zeichen sein auf deiner Hand und wie ein Merkzeichen zwischen deinen Augen, damit des HERRN Gesetz in deinem Munde sei; denn der HERR hat dich mit mächtiger Hand aus Ägypten geführt. 10 Darum halte diese Ordnung Jahr für Jahr zu ihrer Zeit. 11 Wenn dich nun der HERR ins Land der Kanaaniter gebracht hat, wie er dir und deinen Vätern geschworen hat, und es dir gegeben hat, 12 so sollst du dem HERRN alles aussondern, war zuerst den Mutterschoß durchbricht. Alle männliche Erstgeburt unter dem Vieh gehört dem HERRN. 13 Die Erstgeburt vom Esel sollst du auslösen mit einem Schaf; wenn du sie aber nicht auslöst, so brich ihr das Genick. Beim Menschen aber sollst du alle Erstgeburt unter deinen Söhnen auslösen. 14 Und wenn dich heute oder morgen dein Sohn fragen wird: Was bedeutet das?, sollst du ihm sagen: Der HERR hat uns mit mächtiger Hand aus Ägypten, aus der Knechtschaft, geführt. 15 Denn als der Pharao hartnäckig war und uns nicht ziehen ließ, erschlug der HERR alle Erstgeburt in Ägyptenland, von der Erstgeburt des Menschen bis zur Erstgeburt der Viehs. Darum opfere ich dem HERRN alles Männliche, das zuerst den Mutterschoß durchbricht, aber die Erstgeburt meiner Söhne löse ich aus. 16 Und das soll dir wie ein Zeichen auf deiner Hand sein und wie Merkzeichen zwischen deinen Augen; denn der HERR hat uns mit mächtiger Hand aus Ägypten geführt.

 

Das Passah oder das Fest der Ungesäuerten Brote sind das zweite Zeichen der Menschen des Bundes. Die Verbreitung des Vierten Gebotes (wie wir weiter oben feststellten) soll die Gesetze Gottes in unserem Handeln („das Zeichen auf deiner Hand“) und in unserem Geist („das Merkzeichen zwischen deinen Augen“) einprägen. Diese Feste sind ein Zeichen der Gesetze Gottes (Deuteronomium 6,8) und ein Zeichen der Befreiung Israels (Deuteronomium 6,10). Seit dem Neuen Testament ist dieser Status auch den nichtjüdischen Völkern eigen, die zu Christus gehören (Römer 9,6; 11,25-26). Die Gemeinden Gottes des 20. Jahrhunderts hatten ein völlig falsches Verständnis des Passahfestes. Völlig zu Unrecht wurde angenommen, daß es bei den Juden falsch gefeiert werde und daß Passah in der vierzehnten Nacht des Monats Nissan war, aber die Nacht der Großen Erinnerung in der fünfzehnten Nacht, und diese Nacht von den Juden fälschlicherweise Passah genannt wurde. Diese Annahmen, aber auch die ganze Struktur der falschen Prämissen, auf die sie sich stützen, werden im Anhang des Kapitels Passah [098] ausführlich analysiert.

 

Die Zeichen des Gesetzes – der Sabbat und das Passahfest – sind speziell dafür gedacht, den Götzendienst zu bekämpfen (Deutero­nomium 11,6). Diese beiden Zeichen sind auch das Zeichen auf der Hand und das Merkzeichen zwischen den Augen, die die Auserwählten Gottes kennzeichnen. Zusammen mit dem Heiligen Geist bilden sie die Besiegelten der letzten Tage in Offenbarung 7,3. Somit konzentriert sich das Zeichen der Auserwählten auf das erste Gebot. Jesus sagte: „Du sollst anbeten den Herrn, deinen Gott, und ihm allein dienen.“ (Matthäus 4,10, Lukas 4,8). Dienen bedeutet in der biblischen Terminologie die Anbetung Gottes.

 

Das Versöhnungsfest ist ein weiteres Zeichen der Menschen des Bundes. Die Unfähigkeit, das Versöhnungsfest einzuhalten, wird mit der Ausrottung aus dem eigenem Volk bestraft (Levitikus 23,29); mit anderen Worten, die Strafe ist die Vertreibung aus dem Körper des israelischen Bundes, also aus der Gemeinde.

 

Das ursprüngliche und grundsätzliche Zeichen der Menschen des Bundes ist die Beschneidung (Genesis 17,14). Sie wurde bis zur Taufe vollzogen (siehe Repentance and Baptism [052] („Buße und Taufe“).

 

Die Taufe mit dem Heiligen Geist ist danach ein primäres Zeichen der Auserwählten, die durch den Tod Jesu Christi zu einem Ganzen werden (Matthäus 28,19; Apostelg. 1,5; 11,16; Römer 6,3; 1 Korinther 12,13; Hebräer 9, 11-28).

 

Die gemeinsamen Lehrsätze der Kirche

Die gemeinsame Lehre der Auserwählten ist schon in frühesten Zeiten zu finden. Am nächsten kommen wir dem Apostel Johannes durch die Werke seiner Schüler Polycarpus und Irenäus. Die früheste Ansicht war, daß die Bibel und die Gemeinden des Neuen Testaments eine bestimmte Auffassung von Gott hatten, die schon seit etwa 2000 Jahren so existierte.

 

Die zentrale Stelle ihres Glaubens nahm die Lehre von Gott ein. Der Sabbat, die Neumonde und Feste waren spezifische Aspekte der Gottesanbetung. Sie wurden auch von der Einhaltung der Speisegesetze auf einer ziemlich stark verbreiteten und allgemeinen Grundlage begleitet (siehe The Food Laws [015], „Die Speisegesetze“). Somit war der Sabbat und alles, was daraus folgte, ein Zeichen der Anbetung des Einzigen Wahren Gottes (Johannes 17,3). Dieser Gott, Eloah, war genau derselbe Gott, der von den jüdischen Betern angebetet wurde und im Alten Testament beschrieben ist. In der frühen Kirche war die Bibel das Alte Testament, das durch das Neue Testament interpretiert und gedeutet wurde (siehe das Kapitel Die Bibel [164]). Die Lehre von Gott in den frühen Gemeinden wird in folgenden Kapiteln behandelt: The Early Theologie of the Godhead [127] („Die frühe Theologie Gottes“); On Immortality [165] („Über die Unsterblichkeit“); The Deity of Christ [147] („Die Göttlichkeit Christi“); The First Commandment: the Sin of Satan [153] („Das erste Gebot: die Sünde des Satans“); Consubstantial with the Father [081] („Konsubstantialität mit dem Vater“).

 

Die biblische Grundlage der gemeinsamen Lehre

In der biblischen Grundlage der gemeinsamen Lehre nimmt das erste und größte Gebot eine zentrale Stellung ein (vgl. das Kapitel Das Erste Große Gebot  [252]). So sehen wir, daß das Vierte Gebot nur der vierte Aspekt einer größeren Struktur ist. Der Sabbat und die Heiligen Tage sind Substrukturen des Vierten Gebotes und stehen zu den anderen Geboten in Beziehung. Dies wird im Kapitel Statement of Beliefs of the Christian Faith [A1] („Erkenntnisse des christlichen Glaubens“) behandelt.

 

Die Gemeinde ist verpflichtet, die Zehn Gebote einzuhalten, die in Exodus 20,1-17 und Deuteronomium 5, 6-21 genannt werden.

 

Das erste Gebot:

Ich bin der HERR, dein Gott, der ich dich aus Ägyptenland, aus der Knechtschaft, geführt habe. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.

 

Gott der Vater ist der Einzige Wahre Gott (Johannes 17,3), und es gibt keinen anderen Eloah neben Ihm und gleich Ihm. Es ist nicht zulässig, ein anderes Wesen anzubeten, auch nicht Jesus Christus.

 

Das zweite Gebot:

Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen, weder von dem, was oben im Himmel, noch von dem, was unten auf Erden, noch von dem, was im Wasser unter der Erde ist: Bete sie nicht an und diene ihnen nicht! Denn ich, der HERR, dein Gott, bin ein eifernder Gott, der die Missetat der Väter heimsucht bis in dritte und vierte Glied an den Kindern derer, die mich hassen, aber Barmherzigkeit erweist an vielen Tausenden, die mich lieben und meine Gebote halten.

 

Das bedeutet, es ist nicht zulässig, Gestalten und Abbilder zu machen, um sie zur religiösen Verehrung oder als Symbole zu verwenden. Demzufolge ist auch das Kreuz als Symbol in der Kirche verboten. Die Gebote selbst bilden einen Teil der Identifizierung des religiösen Systems, sie sind also alle fest damit verbunden.

 

Das dritte Gebot:

Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht mißbrauchen; denn der HERR wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen mißbraucht.

 

Der Name Gottes verleiht Autorität, und genau deswegen beschäftigt sich dieses Gesetz nicht nur mit der Frage der Gotteslästerung, sondern wendet sich auch gegen den Mißbrauch der Autorität der Kirche und bezieht sich auf alle, die für sich in Anspruch nehmen, durch Jesus Christus auf Weisung Gottes zu handeln.

 

Das vierte Gebot:

Gedenke des Sabbattages, daß du ihn heiligest. Sechs Tage sollst Du arbeiten und alle deine Werke tun. Aber am siebten Tage ist der Sabbat des HERRN, deines Gottes. Da sollst du keine Arbeit tun, auch nicht dein Sohn, deine Tochter, dein Knecht, deine Magd, dein Vieh, auch nicht dein Fremdling, der in deiner Stadt lebt. Denn in sechs Tagen hat der HERR Himmel und Erde gemacht und das Meer und alles, was darinnen ist, und ruhte am siebenten Tage. Darum segnete der HERR den Sabbattag und heiligte ihn.

 

Somit ist der Sabbat am siebten Tag für den Glauben unerläßlich. Kein Christ kann Gott  dienen und darauf verzichten, den Sabbat einzuhalten, der im heutigen Kalender als Samstag bekannt ist. Die Festlegung eines anderen Tages als des siebten Tages für den Gottesdienst verletzt nicht nur dieses Gebot, sondern wird auch zum Symbol des Götzendienstes, da dies nicht mit dem ausdrücklichen Willen Gottes übereinstimmt. Das ist ein Akt der Auflehnung und wird darum der Sünde der Zauberei gleichgesetzt (1 Samuel 15,23). In Verbindung mit dem Zweiten Gebot, das das Vierte Gebot verstärkt, wird es zum Götzendienst. Die Einführung eines Kalenders, der dem Prinzip der Wochenrotation entspricht, hat die gleiche Wirkung.

 

Die ersten vier Gebote bestimmen die Beziehung zwischen Gott und dem Menschen und werden mit dem ersten und wichtigsten Hauptgesetz gleichgesetzt, das lautet: Und du sollst den HERRN, deinen Gott lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüt und mit allen deinen Kräften (Markus 12,30). Dies ist das höchste und größte Gebot (Matthäus 22,37-37). Unter einer absoluten Identifizierung mit Gott versteht man eine getreue Befolgung dieser Gebote und das Vermeiden jeglicher Handlungen, die sie beeinträchtigen könnten.

 

Das Vierte Gebot ist also eines der vier Gebote, die ein wesentlicher Bestandteil des Ersten Großen Gebotes sind.  Nach den Worten Christi ist Gott der Vater das Zentrum, das primäre Moment und das letzte Ziel des Glaubens (Matthäus 22,37-38; Markus 12,30; Offenbarung 1,8). Das Erkennen des Einzig Wahren Gottes und Seines Sohnes Jesus Christus, den er zu uns sandte, ist der zentrale Punkt, um das ewige Leben zu erlangen (Johannes 17,3; 5,20). Somit ist das Vierte Gebot kein Selbstzweck, sondern lediglich ein Hauptkennzeichen der Auserwählten und das Zeichen ihres Gehorsams gegenüber Gott.

 

Das Vierte Gebot erstreckt sich auf das ganze System der biblischen Gottesverehrung – die Neumonde, die Feste und Heiligen Tage sowie den Zehnten (siehe Tithing [161] („Der Zehnte“), der sich auf das System der Erstlinge und der Ernte bezieht (siehe auch The Covenant of God [152] („Der Bund Gottes“)).

 

Wir haben schon festgestellt, welchen Einfluß die Neumonde auf den Kalender Gottes haben (siehe das Kapitel God’s Calendar [156] („Der Kalender Gottes“)). Die Neumonde und die Feste bilden gemeinsam die Struktur der Herrschaft Gottes. Der Sanhedrin, ebenso wie der materielle Tempel und seine Priesterschaft, waren das Spiegelbild des himmlischen Systems (Hebräer 8,5). Aber wir haben einen Opferaltar, von dem diejenigen nicht speisen dürfen, die im Zelt (oder einer materiellen Struktur) dienen (Hebräer 13,10). Somit haben wir keine dauerhafte materielle Stadt, sondern sind auf der Suche nach der Stadt, die in der Zukunft bestehen wird. Ebenso wie die Opfer außerhalb der Stadt verbrannt wurden, wurde auch Jesus Christus außerhalb der Stadt geopfert, und so gehen wir zu ihm außerhalb des Lagers, um seine Schande zu teilen (Hebräer 13,12-13).

 

Wir behandeln hier die Vergangenheit unserer Glaubensbrüder, um ihre Leiden und die Gründe ihrer Bestrafung aufzudecken. Die Lehren der frühen Kirche können als ziemlich konsequent angesehen werden, wenn wir die Tatsachen von der Propaganda des herrschenden Systems unterscheiden können.

 

Anwendung dieser charakteristischen Elemente in den Lehren der Frühkirchen

Die frühe Kirche war ausschließlich unitarisch. Gnostiker und Modalisten werden hier nicht als Teil der Kirche betrachtet. Es gibt keine Beweise dafür, daß Christus, die Apostel oder ihre Jünger Binitarier oder Trinitarier gewesen seien. Tatsächlich läßt sich aber eindeutig nachweisen, daß die Dreieinigkeitslehre (Trinitarismus) aus der sogenannten christli­chen Zweieinigkeits­lehre (Binitarismus) des vierten Jahrhunderts entwickelt wurde. Die sabbathaltende Kirche hat bis dahin – und im Grunde sogar bis zur Reformation etwa elf Jahrhunderte später – niemals die trinitarische oder die binitarische Position unterstützt. Die Zweieinig­keitslehre entwickelte sich in Wirklichkeit aus dem Modalismus, der die Lehre der Anbeter des Gottes Attis in Rom darstellte (siehe The Origins of Christmas and Easter [235] („Die Ursprünge von Weihnachten und Ostern“)).

 

Historische Zeugnisse und die Verfolgung der Gemeinde

 

Die Frühkirche

Aus Schriften von Irenäus (und seines Vorgängers Polycarpus) wissen wir, daß er und die Gemeinde hauptsächlich Unitarier waren, die glaubten, daß Christus zum Elohim berufen wurde und daß auch die Auserwählten Elohim werden konnten, genauso wie Christus mit Gott war. Die Unitarier glaubten, Gott existiere ewig und habe im diesem Sinne keine Zeitgenossen. Dies findet man bei Sacharja (12,8) und wird im Werk des Irenäus, Gegen die Häresien dargelegt.

 

Bei Irenäus (Gegen die Häresien, III, viii, 3) heißt es von Gott:

 

„Der Himmel ist durch das Wort des HERRN gemacht und all sein Heer durch den Hauch seines Mundes“ (Psalm 33,6).

 

Irenäus vertrat folgende Ansicht:

 

„Es ist eindeutig bewiesen worden, daß kein Prophet und kein Apostel jemals ein anderes Wesen Gott oder Herr nannten, außer dem Einzig Wahren Gott…  Trotzdem ist alles Geschaffene anders angesichts dessen, wer es geschaffen hat, genau wie das Geschaffene sich von dem Schöpfer unterscheidet. Er ist nicht der Schöpfer in bezug auf sich selbst. Es ist ohne Anfang und ohne Ende, und ist selbst vollkommen. Er reicht über sich hinaus und ist gleichzeitig dauerhaft. Er hat allen das Wesentliche geschenkt: die Existenz, alles, was existiert, hat Er geschaffen.“ (ibid).

 

Die Fähigkeit, Gott (theos oder elohim) zu werden, schreibt Irenäus auch dem Logos zu, der sich von allen anderen geschaffenen Phänomenen unterscheidet (ebd.). In Buch III, Kapitel VI hat er die Lehre von Gott und Seinem Sohn begründet, die Theorie der Annahme als theoi oder elohim und aller Söhne Gottes:

 

Aus diesem Grund darf kein anderer, nicht einmal der Heilige Geist, nicht die Apostel, keiner, der nicht Er ist, als Gott bezeichnet werden, außer Ihm selbst. Man darf auch keinen als den Herrn bezeichnen, außer Gott den Vater selbst, der über alles herrscht, und Seinen Sohn, der die Macht über die ganze Schöpfung von seinem Vater erhalten hat. So steht es geschrieben: Der HERR spricht zu meinem Herrn: „Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde zum Schemel deiner Füße mache.“ (Psalm 110,1). Hier [in der Heiligen Schrift] wendet sich der Vater an seinen Sohn; Er, der dem Sohn das Erbe der Heiden überreichte und Ihm alle seine Feinde unterwarf.

 

Irenäus fährt mit der Feststellung fort, daß der Heilige Geist sowohl den Vater als auch den Sohn als Herrn bezeichnete. Er war der Ansicht, daß es Christus war, der vor der Zerstörung von Sodom zu Abraham gesprochen hatte und daß er [von Gott] die Macht erhalten hatte, Sodom zu bestrafen. Und er [der folgende Text]:

 

(...) besagt mehrere Dinge: „Gott, dein Thron bleibt immer und ewig; das Zepter deines Reichs ist ein gerechtes Zepter. Du liebst Gerechtigkeit und hassest gottloses Treiben; darum hat dich der Herr, dein Gott, gesalbt mit Freudenöl wie keinen deinesgleichen“ (Psalm 45,7-8). Denn der Heilige Geist bezeichnet beide mit dem Namen Gott [theos oder elohim]: sowohl denjenigen, der als Sohn gesalbt wurde, als auch den, der ihn gesalbt hat und der der Vater ist. „Gott steht in der Gottesgemeinde und richtet unter den Göttern.” (Psalm 82,1). Das bezieht sich auf den Vater, auf den Sohn und diejenigen, die angenommen wurden; aber diese sind die Kirche, denn sie ist die Synagoge Gottes, deren Gott ist der Sohn, der sie versammelt hat; und dazu lesen wir noch: „Der Gott der Götter, der Herr spricht, er ruft der Erde zu, vom Aufgang der Sonne bis zum Untergang.” (Ps. 50,1). Wer ist mit dem Namen „Gott“ gemeint? Er, von dem Er gesagt hatte: „Unser Gott kommt und schweigt nicht; das Feuer der Zerstörung läuft vor ihm, und ein starkes Gewitter umringt ihn.“ (Ps. 50,3).  Das ist auch der Sohn, der kam, um zu den Menschen zu sprechen, und sagte: „Ich ließ mich suchen von denen, die nicht nach mir fragten, ich ließ mich finden von denen, die mich nicht suchten.“ (Jesaja 65,1). Aber von welchen Göttern [sprach er]? [Von denen,] zu denen er sagte: „Wohl habe ich gesagt: Ihr seid Götter, ihr seid alle Söhne des Höchsten.“ (Ps. 82,6) Und zweifellos zu denen, die die Gnade der Adoption empfangen haben: „Ihr habt den Geist empfangen, der euch zu Söhnen macht,  den Geist, in dem wir rufen: Abba, lieber Vater!“ (Römer 8,15). (Gegen die Häresien, Buch III, Kap. vi, ANF, Bd.1, S. 418 f.)

 

Es besteht kein Zweifel daran, daß Irenäus, als er von Gott sprach, subordinatianische Ansichten vertrat. Er erweiterte den Begriff „Gott” (als theos oder eloah) auf eine Ebene, daß er auch den Sohn und die Angenommenen mit einschloß. Solche Ansichten sind offenbar auch aus Sacharja 12,8 abgeleitet worden. Er scheint hier anzudeuten, daß Christus die Auserwählten versammelt, obwohl wir doch aus den Heiligen Schriften wissen, daß es umgekehrt Gott war, der die Auserwählten Christus gab, damit er sie versammle (Johannes 17,11-12; Hebräer 2,3; 9,15). Der ausschließliche Gebrauch des Begriffs, um die körperlichen Auserwählten zu bezeichnen, könnte in dem von Irenäus verwendeten Gebrauch nicht ganz richtig sein. Die treuen Himmlischen Heerscharen sind nach dem Verständnis von Offenbarung 4 und 5 ebenfalls Teil des Rates. Somit sind die treuen Himmlischen Heerscharen auch die Ecclesia Gottes.

 

Diese Positionen werden in den Kapiteln The Early Theologie of the Godhead [127] („Die frühe Theologie des Gottesverständnisses“) und On Immortality [165] („Über die Unsterblichkeit“) behandelt. Es ist auch wichtig zu verstehen, daß die Lehre von der Unsterblichkeit der Seele als gottlos und gotteslästerlich angesehen wurde. Diese Ansicht wurde so weit vertreten, daß sogar dann, als die Sonntagsgottesdienste in den Kirchen Einzug hielten (was nach den Zeugnissen Justinus des Märtyrers bereits seit 150 n. Chr. der Fall war), die Lehren vom göttlichen Wesen und der Auferstehung weiterhin eine zentrale und ungeschmälerte Stellung behielten. Somit wurde der Sabbat bereits in der Frühzeit noch vor dem göttlichen Wesen und der Auferstehung verworfen. Das sollte sich bis zur späteren Lehre vom göttlichen Wesen umkehren, die noch vor der Position zum Sabbat und der Seelenlehre in Zweifel gezogen wurde.

 

Anders Nygren (Agape and Eros, engl. Übers. von Philip S Watson, Harper Torchbooks, New York 1969) verstand den Begriff des ewigen Lebens in der Kirche. Er schreibt dazu folgendes:

 

Der Glauben an die Auferstehung ist der wichtigste Aspekt, in dem sich die Frühkirche vom Hellenismus unterscheidet. Die christliche Tradition bekräftigte „die Auferstehung des Fleisches”, die die Apologeten der hellenistischen Lehre von der „Unsterblichkeit der Seele“ gegenüberstellten. Die Antithese wurde bewußt und mit Absicht aufgestellt, da in keiner anderen Frage schon in den Zeiten des frühen Christentums ein so starker Widerstand gegen den Geist des Hellenismus geleistet wurde. Die Apologeten hielten die platonische, hellenistische Doktrin von der Unsterblichkeit der Seele für gottlos und gotteslästerlich, sie mußte also als allererstes angegriffen und zerstört werden. (Justin, Dial 1xxx. 3-4)

 

Die Worte von Tatian könnten als ihr Motto gelten: „O Griechen, nicht unsterblich, ja sterblich ist die Seele an und für sich. Jedoch ist es möglich, daß sie doch nicht stirbt.“ (Tatian, Oratio ad Graecos, xiii, 1)

 

Der Unterschied zwischen dem Christen und dem Nichtchristen war in diesem Fall so enorm, daß der Glauben an die Möglichkeit „der Wieder­auferstehung des Leibes“ zu einem Erkennungs­zeichen werden konnte. Derjenige, der an die Unsterblichkeit der Seele glaubte, zeigte dadurch, daß er kein Christ ist. Nach Justin: „Wenn ihr mit jemandem reingefallen seid, der sich Christ nennt… und er sagt, daß es keine Auferstehung der Toten gibt, aber ihre Seelen nach dem Tod in den Himmel kommen, stellt euch nicht vor, daß ihr es hier mit einem Christen zu tun habt.“ (Dial. 1xxx. 4)(ebd., S. 280-281)

Also verwarf die Kirche die Unsterblichkeit der Seele – sie waren in jeder Hinsicht  unitarische Subordinatianer. Sie hätten nicht nur die Dreieinigkeitslehre verworfen, wenn sie damals schon entwickelt worden wäre; möglicherweise hätten sie sogar jeden exkommuniziert, der sich dieser Doktrin oder irgendeiner Form des Ditheismus angeschlossen hätte, wie er in gnostischen Kreisen offenkundig war.  Gleichzeitig war die Kirche jedoch sehr tolerant, indem sie die Ansicht vertrat, Irrlehren sollten zugelassen werden, um zu zeigen, wer in der Kirche die Unterstützung Gottes hatte (1 Korinther 11,19). Das taten sie mit Hilfe des Studiums (2 Timotheus 2,15).

 

Sie waren auch der Ansicht, daß die wahre Heilige Schrift das Alte Testament ist und das Neue Testament nur eine Interpretation dieser Schrift darstellt. Sie hielten die Neumonde und die Feste ein. Wir können feststellen, daß das Fest der Ungesäuerten Brote im 2. Jahrhundert ein Thema der Diskussion war, als das Ostersystem eingeführt wurde und das Osterfest allmählich an die Stelle des Passahfestes trat; diese ist auch als quartodezimanische Diskussion bekannt (siehe das Kapitel Passover [098] („Passahfest“)).

 

Nach und nach setzten die Verfolgungen der Kirche ein, bis sie überwiegend außerhalb des Römischen Reiches tätig war. Sie war damit unerreichbar für die orthodoxe Kirche, bis in die Zeit der zunehmenden Bekehrung der Arianer, die bis zum achten Jahrhundert dauerte, und ab der Gründung des Heiligen Römischen Reiches 590. Die Verfolgungen des Glaubens dauerten von 590 bis 1850, sie umfaßten also die Zeit der Herrschaft des Heiligen Römischen Reiches (siehe das Kapitel The General Distribution of the Sabbath-keeping Churches [122] („Die allgemeine Ausbreitung der sabbathaltenden Gemein­den“)).

 

Das amerikanische Adventismus und die Gemeinden Gottes in den USA verwandte während der letzten zwei Jahrhunderte falsche Angaben über das Heilige Römische Reich und die Propheizeiung hinsichtlich der Zeiten, der Zeit, der Halbzeit oder der 1260 Tage an. Diese fehlerhafte Auslegung war zum großen Teil auf die Unkenntnis der europäischen Geschichte und selbsterfüllende falsche Prophezeiungen zurückzuführen. Dieser schwerwiegende Irrtum hatte nachhaltige Folgen, er förderte irrige Prophezeiungen über die adventistische Bewegung 1842–1844. Dies setzte sich dann mit einer weiteren Irrlehre fort, die das präadventistische Urteil genannt wurde (siehe das Kapitel The Pre-Advent Judgment [176] („Das präadventistische Urteil“)).

 

Die Inquisition

Die Zeugnisse der Inquisition geben uns Aufschluß darüber, welche Doktrinen es in der Kirche in den verschiedenen Stadien ihrer Verbreitung  gab.

 

Es läßt sich mit Sicherheit sagen, daß das katholische System der Inquisition der Kirche verschiedene Namen gab, um die weite Verbreitung der Kirche und die Homogenität ihrer Doktrinen zu verheimlichen. Aber auch die Organisationen der Gemeinden Gottes hatten verschiedene Ansichten, was ihre Führung und ihre Gewichtungen angeht (z. B. gab es unter den westlichen Waldensern sowohl Presbyterianer als auch Episkopale). Wir wisssen, daß sie Katharer oder Cathari genannt wurden (zu deutsch „die Reinen“, im engl. „Puritans“). Andere Bezeichnungen waren Bulgarer, Chasaren, Vallenses, Albigenser, Waldenser, Sabbatarier, Sabbatisten, Sabbatati, Insabbatati und Passaginianer. Der Begriff „Sabbatarier“ ist vermutlich eine Konstruktion zur Bezeichnung arianischer Sabbathalter.

 

Wir wissen, daß die Gemeinsamkeit der Ansichten im allgemeinen in der Volkssprache verstanden und reflektiert wurde. Der englische Begriff poor bugger („armer Schwuler”) ist im Englischen ein vulgärsprachlicher Ausdruck, der Mitleid gegenüber einem Unglücklichen ausdrückt, der Qualen erduldet hat. Bei den zeitgenössischen Amerikanern oder Australiern stiftet dieser Ausdruck oft Verwirrung, da die Ausdrücke „bugger“ und „buggery“ eine spezifische rechtliche Bedeutung haben, die mit Homosexualität bzw. Sodomie in Zusammenhang stehen. Doch dieser Begriff hat auch eine andere Bedeutung, der die Anwendung auf die Auserwählten zur Zeit der Inquisition beschreibt. Das Oxford Universal Dictionary nimmt an, daß dieser Begriff im Mittelenglischen vom französischen bougre und vom lateinischen bulgarus, oder „Bulgarier” oder „Ketzer” (auch Wucherer) abgeleitet wurde. Diese Worte wurden im Zusammenhang mit den Ketzern, besonders mit den Albigensern verwendet. Das ist die erste Bedeutung dieses Begriffs. Die zweite, herabsetzende Bedeutung, die mit Sodomie in Verbindung gebracht wird, war ein späterer Gebrauch dieses Begriffs (ab 1555) und wurde offenbar verwendet, um die Sekte, die schon seit 300 Jahren verfolgt wurde, zu verunglimpfen. Der Begriff pauvre bougre oder „erbärmlicher Bulgare“, der auf die Albigenser bezogen wurde, gelangte als poor booger in die englische Sprache. Die Herkunft der englischen Wörter bogle oder boggle, die in Nordengland um 1505 gebraucht wurden, ist unklar. Die Bedeutung dieses Wortes hat mit Gespenstern und quasi mit einer Bezeichnung des Teufels („bogieman”) zu tun. Sicherlich hatte der Begriff poor bugger seinen Ursprung in den Kreuzzügen gegen die Albigenser. Durchaus sinnvoll erscheint also die Frage „Welchen Zusammenhang gibt es zwischen den Albigensern und den Bulgaren?” Die Antwort ist einfach. Die Gemeinden Gottes kamen über ihre Abzweigungen, die aus der   Pergamon-Ära (Offenbarung 2,12) bekannt waren und Paulizianer (oder Paulikianer) genannt wurden, aus den Orten nach Europa, die unter der Herrschaft von Konstantin Kapronymos und Johannes Tsimiskes standen (siehe die Kapitel The General Distribution of the Sabbath-keeping Churches [122] („Die allgemeine Verbreitung der sabbathaltenden Gemein­den“)). Aus Thrakien verbreiteten sie sich unter den Bulgariern und den Südslawen, besonders in Bosnien, aber auch in Ungarn und Rumänien. Sie verbreiteten sich dann in westlicher Richtung und vereinigten sich ab dem 15. Jh. mit den Resten der Sabbattati, die im Westen Vallenses oder Waldenser genannt wurden. Mit relativer Sicherheit können wir feststellen, daß sich ihre Lehren schon seit dem 13 Jh. verbreiteten. Aber genau nachweisbar sind die östlichen Abzweigungen des 15. bis 19. Jh., besonders in Ungarn und Rumänien.

 

Die Kreuzzüge gegen die Albigenser

Der Verlauf der Kreuzzüge gegen die Albigenser im 13 Jh. wird im Kapitel The General Distribution of the Sabbath-keeping Churches [122] („Die allgemeine Verbreitung der sabbathaltenden Gemeinden“)) beschrieben. Bei diesen Gruppen handelte es sich zweifellos um Sabbathalter. Die Bestrebungen der   Römisch-Katholischen Kirche, diese Tatsache zu verheimlichen, führte zu mehreren ungewöhnlichen Behauptungen, was die linguistischen Ursprünge des Wortes Sabbatati angeht. Wir wissen jedoch, daß sie Unitarier waren. Ihre Existenz ist bereits vor 934 nachgewiesen, als der Bischof Atto aus Vireulli, wie schon mehrere andere vor ihm, sich über sie beschwerte.

 

Als Vallenses wurden sie erstmals 1179 bezeichnet, als sie von Raymond von Daventry verurteilt wurden. Die Ältesten oder barbes („Onkel“), Bernard von Raymond und Raymond von Baimiac, wurden 1179, noch vor dem Lateranischen Konzil, von Raymond von Daventry als Ketzer hingerichtet – nicht weil sie Sabbathalter waren, sondern weil sie den Unitarismus vertraten). Der Traktat, den  Bernard de Fontcaudé 1180 gegen sie verfaßte, erwähnte die Bezeichnung Vallenses bereits in der Überschrift Adversus Vallenses et Arianos. Sie waren demnach Subordinatianer, die die Dreieinigkeitslehre ablehnten. Diese Schrift von 1180 ist im Laufe des 20. Jahrhunderts verschwunden, doch die von Bernard de Fontcaudé im Jahre 1190 verfaßte Abhandlung Liber Contra Vallenses existiert noch heute. Die Waldenser der damaligen Zeit scheinen Unitarier gewesen zu sein und wurden von den Arianern unterschieden. Diese Ansicht ist völlig korrekt und wird auch von der Gemeinde Gottes ausdrücklich bejaht.. Der Arianismus, der nach der Meinung der Katholiken angeblich den Heiligen Geist als ein vom Sohn geschaffenes Phänomen betrachtet, vertritt eine Position, die sich vom biblischen Unitarismus unterscheidet. Diese beiden Richtungen werden von den Katholiken als dieselbe oder als ähnliche Ketzerei angesehen, wobei die Doktrin, nach der der Heilige Geist vom Sohn geschaffen wurde, auch von den Katholiken stammen könnte, da es keinen tatsächlichen Nachweis dieser Ansicht in den Texten gibt, die Arius zugeschrieben werden (siehe die Kapitel Arianismus und Semi-Arianismus  [167] und Sozinianismus, Arianismus und Unitarismus [185]).

 

Die Albigenser waren nicht einfach eine Abzweigung der Waldenser. Die Albigenser bestanden aus zwei Gruppen – den  Vallenses oder Waldensern und den lokalen Katharern. Die Katharer hatten völlig unterschiedliche und häretische Ansichten über Gute und Böse, die auf einer Abart des Gnostizismus und des manichäistischen Dualismus gründeten. Diese Unterschiede hat unter anderem Ray Roennfeldt in seinen Thesen aufgedeckt (An Historical study of Christian Cosmic Dualism, Andrews University) (vgl. das Kapitel Vegetarism and the Bible [183] („Vegetarismus und die Bibel“).  Der Glaube wurde oft von diesen dualistischen Richtungen angegriffen. Immer und überall, wo die Gemeinden Gottes gegründet wurden, entwickelten viele sogenannte Konvertiten (Personen, die ihren Glauben gewechselt haben) in den Mönchsorden merkwürdige Ansichten. Als Beispiel gelten hier die Bogomilen. Bei den Bogomilen und den Bosniern wurde der klösterliche Asketismus von einem ketzerischen Dualismus begleitet, der versuchte, die Substanz des Glaubens zu zerstören. Auch unter den frühen Abzweigungen der Paulizianer gab es Irrlehren. Eine dieser Irrlehren war die der Melchisedekianer, die eine Ordnung schufen, die ganz anders als die unitaristischen Lehren strukturiert war. Melchisedek wurde als ein engelartiger Vermittler betrachtet, aber Christus als ein menschlicher Vermittler, der ihm untergeordnet ist. Die katholischen Schriften nutzen die Gelegenheit, die heutigen häretischen Gruppen mit den damaligen Gemeinden in Verbindung zu bringen. Sie schreiben diese Irrlehren den Gemeinden Gottes zu, um ihre wahren Lehren in ein schlechtes Licht zu setzen.

 

Der gesamte Kreuzzug gegen die Albigenser wurde von Rom im 13. Jh. gegen beide Richtungen geführt. Die Albigenser hatten Unterstützung in Südfrankreich, wo Graf Raymond von Toulouse herrschte. Waldenser oder Sabbatati waren von größerer Bedeutung und weiter verbreitet, unter anderem auch in Spanien. Die Lehren der Waldenser lassen sich anhand der spanischen Abzweigung der Sabbatati rekonstruieren, da sie unter intensiven Verfolgungen litten.

 

Die Spanische Inquisition

Das Ziel der Spanischen Inquisition bestand darin, den Staat von den sogenannten judaisierenden Christen zu befreien. Man nannte sie Marranen (oder Schweine). Aus der Terminologie der Inquisition und aufgrund der Kommentare wissen wir, daß sie nicht nur den Sabbat hielten, sondern auch die Dreieinigkeitslehre ablehnten, die Heiligen Tage und die Speisegesetze einhielten und die Sünden büßten. Das Edikt des Glaubens beschreibt die Mittel, mit deren Hilfe die Identifizierung der Ketzer möglich war. Auch Juden und Moslems wurden während der Verfolgungen festgenommen, obwohl diese eigentlich nur gegen die Gemeinden Gottes gerichtet waren, die auch Sabbatati, Insabbatati oder Insabathi genannt wurden. Das Edikt des Königs Alfons von Aragonien ordnete die Vertreibung der Waldenser oder Insabbatati aus Spanien an. Es ist im Kapitel The General Distribution of the Sabbath-keeping Churches [122] („Die allgemeine Verbreitung der sabbathaltenden Gemein­den“) auf Seite 20 zu finden.

 

Cecil Roth weist in der Einführung seines Werkes The Spanish Inquisition (Robert HaleLtd., London, 1937)  warnend darauf hin, daß sich die Geschichte wiederholt und daß das Buch nicht als eine Satire auf die damaligen Ereignisse in Europa gemeint ist. Die jüdischen Wissenschaftler haben versucht, die Spanische Inquisition als eine Form der jüdischen Verfolgung darzustellen. Die schlimmste Entstellung ist womöglich trotz ausführlicher Begründung das neueste Werk von B. Netanyahu The Origins of the Spanish Inquisition in Fifteenth Century Spain (Random House, New York, 1995). Netanyahu versucht den Leser davon zu überzeugen, daß das Ziel der Inquisition die jüdische Gemeinde war, obwohl das überhaupt nicht wahr ist und die Wissenschaftler diese Position öffentlich angegriffen haben. Die Rabbis dieser Zeit haben eindeutig darauf hingewiesen, daß sie nicht Juden, sondern Christen seien. Sie waren keine als Christen getarnten Juden. In Wirklichkeit waren sie die Gemeinde Gottes.

 

Die Zahl der Inquisitionsgerichte in Spanien stieg zuletzt auf fünfzehn. Sie waren vollständig mit Beamten und Ausrüstung ausgestattet und existierten in Barcelona, Cordoba, Cuenca, Granada, Llerana, Logrono, Madrid, Murcia, Santiago, Sevilla, Toledo, Valencia, Valladolid und Saragossa. Ein weiteres für die Balearen bestand in Palma de Mallorca.

  

Am furchtbarsten und stärksten waren die Gerichte in den Gebieten Madrid, Sevilla und Toledo tätig, da hier eine größere Zahl von Neuen Christen (Bezeichnung von Roth) lebte. Ihre Tätigkeit war am stärksten in Altkastilien und in Andalusien zu spüren, und ließ in Katalonien nach dem ersten Wüten am stärksten nach (Roth, ebd., Kap. The Unholy Office, S. 73). Am Ende des 15. Jh. wurde schließlich alles unter der Leitung des zentralen Rats El Consejo de la Suprema y General Inquisición, auch La Suprema genannt, koordiniert. Anfangs war dieser Rat auf Kastilien begrenzt. Dieser Rat nahm neben den vier großen Staatsräten, die unter der Leitung von Ferdinand und Isabella standen – dem Staatsrat, dem Rat der Finanzen, den Räten von Kastilien und von Aragon – einen bedeutenden Platz in der Ausübung der königlichen Mancht ein (Roth, ebd., S. 74). Im Jahre 1647 wurde angeordnet, daß alle Urteile aller Gerichte diesem Rat zur Überprüfung vorgelegt werden sollten. Das geschah offenbar mit dem Ziel, die die unbeschreibliche Härte der lokalen Verfolgungen zu mildern. Diese Härte war das Ergebnis eines grundsätzlichen Irrtums im Verständnis des Wesens dieser Angelegenheit. Netanyahu (The Origins of the Spanish Inquisition in Fifteenth Century  Spain, S. 440-459) berichtet von dem Irrtum, daß alle Irrtümer des Geistes als Ketzereien verurteilt wurden, was im Widerspruch zur Feststellung  des Augustinus steht: Ich kann Fehler machen, bin aber noch kein Ketzer (De Trinitate, c, 3, n. 5-6). Der Inquisitor Juan de Torquemada hat die Prozesse von Toledo angegriffen, wegen der dort aufgetretenen offensichtlichen Unregelmäßigkeiten und ihres vorsätzlichen nichtbiblischen Antisemitismus. Für ihn lag diese Angelegenheit auf derselben Ebene wie diejenige von Haman gegen Mordechai und die Juden (ebd., S. 449). Er wurde dann mit der Frage des Wesens Gottes aus der Sicht der Waldenser konfrontiert. Die Toledaner hatten, wie auch anderswo, dies zu einer Angelegenheit des allgemein bekannten Wissens (publica fama) erklärt (auch in Valencia, wie wir noch sehen werden), daß die Ketzer Beschneidungen vornehmen, die wahre Gottheit Christi leugnen und dazu die Gegenwart seines Leibes in der Heiligen Eucharistie leugneten. Torquemada meinte, die Toledaner hätten jedoch nicht bewiesen, daß die Konvertiten, weder durch ihr freiwilliges Bekenntnis noch durch Aussagen unschuldiger Zeugen, nach ihrer Taufe jemals gesagt hätten, daß sie an irgendetwas anderes glaubten als das, was die Mutter Kirche selbst glaubte (vgl. Netanyahu, S. 444). Torquemada verurteilte die Anklage als falsch, verlogen und böswillig und wies aufgrund dieser selbst nach, daß der gesamte Prozeß ungültig war (ebd., S. 445). Warum sollte dies der Fall sein? Wir wissen mit Sicherheit, daß die Waldenser den Unitarismus schon seit Jahrhunderten praktizierten. Der Unterschied lag in der untergeordneten Göttlichkeit Christi. Doch damit wurde die Göttlichkeit Christi gar nicht abgeleugnet. Aber es ging hier noch um viel mehr. Torquemada erkannte, daß die  Prozesse von Toledo rein antisemitisch waren und daß dieser Rassismus keine biblische Begründung hatte. Deshalb mußte er diesen Irrtum so scharf wie nur möglich verurteilen. Das Problem lag auch in der Tatsache, daß sich die Verdächtigungen und die Verhöre sogar bis in die vierte Generation der Bekehrten erstreckten. Er griff diese Prämissen vom Standpunkt der Bekehrungen anderer Elemente der Antitrinitarier aus an, die er als manichäische Irrlehren bei den Bosniern bezeichnete. Er war mit dem Problem der Bekehrung der Könige innerhalb des Heiligen Römischen Reiches konfrontiert. Torquemada sagte dazu:

 

In unseren Zeiten wurde der berühmte König Polens, der Vater des jetzigen Königs, zusammen mit einer großen Zahl von Würdenträgern und einer Unzahl von Menschen vom Heidentum zum Christentum bekehrt. [Wladislaw II., früher Jagiello, der Großfürst von Litauen, trat im Jahre 1386 zum Christentum über, als er König wurde. Er war der Vater von Kasimir IV., der im Jahre 1447 den Thron bestieg.] Später, zur Zeit von Papst Eugen IV., wurden Bosniens König und Königin sowie eine große Zahl von anderen Würdenträgern von der manichäistischen Irrlehre zum Christentum bekehrt (König Stephan Thomas wurde im Jahre 1445 zum Katholizmus bekehrt). Zudem werden fast jeden Tag zahlreiche Mohammedaner [von der christlichen Wahrheit] überzeugt. Es wäre ein großer Skandal und ein unerträglicher Frevel, zu behaupten, daß man alle diese Menschen mindestens bis in die vierte Generation unter den Verdacht stellen solle, daß sie den Götzendienst und die Irrlehren praktizierten, an die  ihre Väter für eine gewisse Zeit geglaubt hatten (Tractatus, S. 54-55; vgl. Netanyahu, S. 452).

 

Torquemada schrieb den Traktat gegen den bosnischen Bogomilismus (Symbolum pro informatione Manichaeorum, Hrsg. N. Lopez Martinez und Proano Gil, 1958, S. 23, n. 68 und Netanyahu, n. 119). Hier sehen wir die Wirkungen der Vermischung des manichäischen Dualismus, wo die Paulizianer den unitarischen Glauben begründet hatten. Die Gemeinde Gottes wurde in dieser Zeit nach  Herzegowina und weiter nach Norden verdrängt (siehe auch das Kapitel The General Distribution of the Sabbath-keeping Churches [122]). Das Problem ist offensichtlich, doch nicht aus der Sicht Netanyahus. Bis zum 15. Jahrhundert waren die Waldenser soweit in den Untergrund gedrängt worden, daß sie durch die Verfolgungen so gut wie ausgerottet schienen. Die Toledaner waren, neben anderen, so maßlos und tyrannisch geworden, daß sie die Inquisition zu einer systematischen antisemitischen Vernichtung auszunutzen begannen. Dies würde die Position der Aktivitäten der Kirche bei der Konsolidierung des Reiches untergraben, und Torquemada war gezwungen, diese Exzesse einzuschränken,  damit eine stabile Wechselwirkung im Inneren des Reiches zustandekäme, und die Bekehrung von denjenigen als Vorteil angesehen werden könnte, die das Ziel der Bekehrung waren. Der Rassismus und die Gier der Inquisition setzten diesen Anreiz und damit die Expansion aufs Spiel.

Torquemada war klug genug, um zu wissen, wie das Urteil der Geschichte lauten würde. Deshalb war er gezwungen, die Inquisition abzumildern. Schließlich ließ die Kirche die Inquisition noch drei Jahrhunderte lang fortdauern, gegen dieselben Prozesse und Doktrinen, deren Existenz verleugnet wurde, und zerstörte letztendlich ihre eigene Machtbasis (siehe  Malachi Martin, Decline and Fall of the Roman Church, Secker and Warburg, London, S. 254f).

 

Die Beweise aus den Edikten 

Bei der Einrichtung der Inquisition in einem Gebiet ging man nach einer Prozedur von Edikten vor. Nach dem Edikt der Gnade, das Ketzer ermutigte, sich zu melden und ihre Ketzerei zu bekennen, und das gewöhnlich für dreißig bis vierzig Tage gültig war (Roth, S. 75), begann die Inquisition das Gebiet zu säubern. Dies setzte einen Prozeß von Beschuldigungen in Gang. Die folgende Phase bestand in der periodischen Herausgabe eines Edikts des Glaubens, das die Arten oder Indikatoren der Ketzerei zu erkennen half, gegen die Anklage erhoben werden kann. Das System der Bekenntnisse verstärkte dann dieses Übel.

 

Das Edikt des Glaubens wurde im Jahre 1519 vom Inquisitor von Valencia Andres de Palacio herausgegeben (es wurde von Roth veröffentlicht). Aus dem Edikt läßt sich ersehen, daß es allgemeine Tatsachen und eine Reihe von Vorstellungen des Aberglaubens enthält und drei Gruppen von Menschen unterscheidet. Die erste war die Gruppe der Christen, die die Tendenzen des sogenannten Judaismus wahrten. In der zweiten Gruppe waren die Juden selbst, und die dritte Gruppe bildeten die Moslems. Das Edikt zeigt klar und deutlich, daß die Ketzerei tief in die Kirche selbst eingedrungen war, da insbesondere die Aussagen über das Heilige Abendmahl in diesem Edikt als Zeichen der Ketzerei identifiziert wurden. Die Sabbatarier verwendeten auch kein Kreuz oder kein Kreuzzeichen. Aus einer Untersuchung dieses Edikts ergibt sich, daß die genannte Gruppe offenbar die Seele verneinte, ebenso die Lehren von Himmel und Hölle. Sie hielten Sabbat vom Sonnenuntergang am Freitag bis zum Sonnenuntergang am Samstag und ließen an diesem Tag die Arbeit ruhen. Sie feierten das Fest des Ungesäuerten Brotes und Passah mit bitteren Kräutern. Am Versöhnungstag fasteten sie (Roth, S. 77).

 

Die allgemeinen Ansichten und Vorschriften der Juden wurden ebenfalls in das Verzeichnis des Edikts aufgenommen. Auf solche Weise verschmelzen beide Systeme im Edikt soweit zu einem, daß es schwer ist, die genauen Unterschiede zwischen beiden festzustellen. Sie hielten die Speisegesetze ein und beerdigten auch ihre Toten nach jüdischer Sitte. Viele Stellen im Edikt enthalten auch Vorstellungen des Aberglaubens, die den Sekten zugeschrieben wurden (z.B. S. 78). Sie lehnten den Marienkult ab, und dies wurde mit der jüdischen Verleugnung des Messias in Zusammenhang gebracht.

 

Sie lehnten die Lehre der Transsubstantiation ab, ebenso die katholische Form der Lehre der Allgegenwart, die platonischen Animismus darstellt (S. 78). Es scheint, daß hier auch die Pfarrer einbezogen waren, und wurden ab der Weihe identifiziert. Es scheint, daß sich die Christen sogar wie die Juden kleideten und die Bekleidungsgesetze befolgten (S. 79). Sie versammelten sich in Hauskirchen und lasen die Bibel in der Volkssprache. Das Eigentum der Ketzer wurde konfisziert, was den Eifer der Inquisitoren zweifellos unterstützte.

 

Roth beschreibt die Eröffnung des Inquisitionsgerichts in  Lissabon, bevor es im Opernhaus abgehalten wurde. Die Berichte der Augenzeugen (im Annual Register des Jahres 1821 abgedruckt) zeigen zweifelsfrei, daß in den Kerkern, die noch bis ins Jahr 1809 benutzt wurden (laut einer Inschrift an der Kerkerwand), menschliche Überreste gefunden wurden. Darunter befanden sich auch Mönche, deren Kleidung unter den Überresten der Toten im Kerker gefunden wurde, unter den älteren und jüngeren Zeugnissen der Morde, die hier begangen wurden (Roth, S. 84-85).

 

Eine Zeit von drei bis vier Jahren zwischen der Verhaftung und dem Urteil war allgemein üblich,  aber in einem konkreten Fall vergingen sogar vierzig Jahre. Schwangere Frauen wurden zum Scheiterhaufen geführt,  und der Mißbrauch von Gefangenen, oder in manchen Fällen Liebesverhältnisse mit ihnen,  veranlaßte Kardinal Ximenes im Jahre 1512, jedem Inquisitionsbeamten die Todesstrafe anzudrohen, der Liebesbeziehungen zu einem Gefangenen pflegte. Die Kosten der Haft sollte der Häftling selbst bezahlen, unabhängig davon, wie lange sie dauerte. In einem Fall wurden die Kosten für die vierjährige Haft einer Nonne in Sizilien, die im Jahre 1703 freigesprochen und aus der Haft entlassen wurde, noch im Jahre 1872 von ihren Erben abbezahlt (Roth, S. 87). Gewöhnlich wurde das Vermögen schon zur Zeit der Verhaftung konfisziert.

 

Marranen oder Neue Christen konnte man nicht als Zeugen bei einem Rechtsfall hinzuziehen. Die Anonymität der Zeugennamen wurde im 13. Jahrhundert eingeführt, um im Anklageprozeß die Schwächeren vor den Stärkeren zu schützen. Das wurde jedoch zum Normalfall, und niemand konnte mehr die Namen seiner Ankläger herausfinden. (Roth weist völlig richtig darauf hin, daß sogar noch im Jahre 1836 in England angeklagte Verbrecher keinen Anwalts nehmen konnten und keine Kopien der gegen sie gerichteten Anklagen einsehen konnten). Es waren barbarische Zeiten, und die Inquisition war die schlimmste Barbarei.

 

Die europäische Inquisition begann in Südfrankreich im 13. Jahrhundert und endete 1846 im Kirchenstaat. Im Zeitabschnitt zwischen den Jahren 1823 und 1846 wurden allein im Kirchenstaat 200 000 Menschen zum Tode, zu lebenslänglicher Haft, zum Exil oder zum Galeerendienst verurteilt, 1,5 Millionen standen unter Aufsicht (siehe Malachi Martin, The Decline and Fall of the Roman Church, S. 254, und das Kapitel The General Distribution of the Sabbath-keeping Churches [122]). Roth zitiert die Verzweiflung der Menschen in Südfrankreich seit dem Beginn des 13. Jahrhunderts:

 

„Hört mich an, meine Herren! Ich bin kein Ketzer, weil ich eine Frau habe, mit der ich lebe, und ich habe Kinder; und ich esse Fleisch, und lüge, und schimpfe, doch ich bin ein getreuer Christ” (Roth, S. 90).

 

Diese Verleugnung des Zölibats (der Ehelosigkeit) und des vegetarischen Asketismus war notwendig, da die manichäischen Dualisten, die als „Katharer” oder „die Reinen” bekannt waren und nach Reinigung durch Askese strebten,  eine häretische Sekte waren, die schließlich die Verfolgung auf Sabbatarier und Waldenser lenkten. Die manichäischen Dualisten unterschieden sich von den Waldensern; dieser Unterschied zwischen Katharern und Waldensern wurde von Weber anerkannt, aber nicht korrekt identifiziert. Die Sabbatarier hielten die biblischen Gesetze durchgehend ein. Ihre Gottesdienste fanden im Geheimen statt, deswegen ist es schwer, diesen Unterschied zu identifizieren. Doch wir wissen, daß sie den Sabbat einhielten, und man kann ihre charakteristischen Gottesdienste ausführlicher anhand der östlichen Zweige der Sabbatarier  identifizieren.

 

Die Sabbatarier in Osteuropa

Wir wissen genau, welche Lehren die ungarischen und die transsylvanischen Gemeinden in der Zeit zwischen dem 15. und 19. Jahrhundert vertraten. Diese Zeugnisse hat der Oberrabbiner von Budapest Dr. Samuel Kohn zusammengetragen, in seinem Werk DIE SABBATHARIER IN SIEBENBÜRGEN, ihre Geschichte, Literatur und Dogmatik, Budapest, Verlag von Singer & Wolfer, 1894, Leipzig, Verlag von Franz Wagner. Diese Punkte werden in dem Kapitel The General Distribution of the Sabbath-keeping Churches [122] aufgeführt).

 

In bezug auf Franz David oder Davidis, der im Jahre 1579 in der Gefängnishaft starb, wissen wir mit Sicherheit, daß die genannte Abzweigung der Waldenser oder Sabbatarier den Unitarismus vertraten. Kohn behauptet, daß sie das ursprüngliche und wahre Christentum erneut haben (Kohn, S. 8). Die Unitarische Kirche spaltete sich im Jahre 1579 in die Gruppen der Sonntags- und der Sabbatverehrer. Die Abzweigung der Sabbatverehrer, die unter der Führung von Eossi tätig war, blieb der Wahrheit am stärksten treu:

 

1.      Sie praktizierten die Erwachsenentaufe.

2.      Sie hielten Sabbat und die Heiligen Tage, darunter das Passahfest, das Fest der Ungesäuerten Brote, Pfingsten, Versöhnungstag, das Laubhüttenfest und den Letzten Großen Tag, aber auch, und das ist sehr wichtig, die Tage des Neumondes. Das Posaunenfest wird in den Hymnen nicht gesondert erwähnt; es scheint, daß es zusammen mit den Hymnen der Neumonde gefeiert worden ist.

3.      Die charakteristischen Lehren beinhalteten das physische Tausendjährige Reich (von 1000 Jahren Dauer), zu dessen Beginn  Christus wiederkehrt und Juda und Israel wieder zusammenführt.

4.      Sie verwendeten den Kalender Gottes, der sich auf die Neumonde bezieht.

5.      Sie lehrten zwei Auferstehungen – eine zum ewigen Leben bei der Wiederkunft Christi, die andere zum Gericht am Ende des Tausendjährigen Reiches.

6.      Sie lehrten die Erlösung durch die Gnade, aber die Gesetze sollten trotzdem eingehalten werden.

7.      Sie glaubten, daß Gott die Menschen beruft, aber daß die Welt im allgemeinen mit Blindheit geschlagen sei.

8.      Ihre Lehre von Christus war voll und ganz subordinatianisch und unitarisch.

(Siehe das Kapitel The General Distribution of the Sabbath-keeping Churces [122], S. 22).

Daraus ergibt sich, daß die frühe Sabbatgemeinde unitarisch war und die Gesetze des Alten Testaments hielt. Der Sabbat war nur ein Aspekt ihres Glaubenssystems, der auf die Anbetung des Einzigen Wahren Gottes hinwies. In Osteuropa wurden sie vor allem wegen ihrer konsequenten unitarischen Position verfolgt, die Sabbateinhaltung spielte eher eine untergeordnete Rolle. (Franz Davidis blieb lieber bis zu seinem Tod im Gefängnis, als den unitarischen Glauben zu kompromittieren, obwohl sogar Socinus, der selbst Unitarier war, ihn zu überzeugen versuchte, seinen strengen Unitarismus abzuändern, um sein Leben zu retten.) Ihnen wurde der Status einer Kirche verweigert, obwohl sogar den Juden dieser Status gewährt wurde. Ihnen wurde der Zugang zur Drucktechnik verweigert, deshalb haben sie ihre Predigten handschriftlich nach einer Art Kettenbriefsystem verbreitet. Um dieses System zu unterdrücken, ging die Inquisition besonders schonungslos vor, und im Westen war sogar die Einhaltung des Sabbats allein Grund genug, um jemanden hinzurichten.

 

Das Wachstum des Unitarismus

Gleichzeitig mit der Reformation begann sich der Unitarismus zu verbreiten, und dies war nicht nur auf diejenigen begrenzt, die den Sabbat einhielten. Anders gesagt, nicht alle Unitarier waren treue Mitglieder der Gemeinde Gottes, ebenso wie auch nicht alle, die den Sabbat einhielten, Gemeindemitglieder waren.

 

Der Begriff „Unitarismus” stammt von dem lateinischen Wort „unitarius“ und wurde zum ersten Mal von einer legalisierten Religion im Jahre 1600 verwendet (Encyclopedia of Religion and Ethics (ERE), Artikel Unitarianism, Bd. 12, S. 519). Er gründet sich speziell auf die Konzeption, daß Gott eine einzige Person ist, im Gegensatz zur orthodoxen Lehre von der  Dreieinigkeit Gottes. Den Begriff „Trinitarismus” im heutigen Sinn gebrauchte als erster Servetus im Jahre 1546 (ebd.). Das Adjektiv unitarisch  wird manchmal auch über die Grenzen des Christentums hinaus verwendet (z. B. sind sowohl der Islam als auch das Judentum in ihrer Grundlage unitarisch).

 

Den griechischen Text des Neuen Testaments veröffentlichte im Jahre 1516 Erasmus von Rotterdam.

Seine Auslassung des berühmten Trinitarischen Verses (1 Johannes 5,7) uns seine Abneigung gegen den scholastischen Typ der Disputationen hinterließ bei vielen einen nachhaltigen Eindruck (ERE, ibid.).

 

Das Neue Testament, das Erasmus veröffentlichte, veranlaßte Kenner der griechischen Sprache dazu, die Voraussetzungen zu überprüfen, auf die der orthodoxe Trinitarismus sich stützte. Sehr wichtig war die Tatsache, daß die Menschen Europas freier und offener waren, und auch die Inquisition war begrenzt. Die Wissenschaftler begannen zu merken, daß die Bibel gar nicht trinitarisch ist, sondern in Wirklichkeit den Unitarismus unterstützt. Der erste Schritt auf dem europäischen Kontinent bei offiziell gedruckten Werken mit antitrinitarischem Charakter (im Gegensatz zu den Lehren der Gemeinden vor der Reformation und der Druckpresse) waren die Werke von Martin Cellarius (1499-1564). Er war der Schüler von Reuchlin und der erste Anhänger und Freund von Luther (ERE, ibid., S. 519-520). In seinem Werk de Operibus Dei gebraucht er den Begriff „deus” in bezug auf Christus in demselben Sinne, wie auch die Christen „dei” oder „Die Söhne des Allerhöchsten” genannt werden können (ibid.). In Bezugnahme auf das Kapitel The Early Theology of the Godhead [127] wird gezeigt, daß der erwähnte Begriff direkt von Irenäus und den ersten Jüngern der Apostel sowie von den Aposteln selbst stammt. Das sorgte für einige Aufregung, und die moderne akademische Gemeinde beteiligte sich an der Diskussion seit den Schriften von Servetus aus dem Jahre 1531. In Neapel leitete der Spanier Valdes eine religiöse Gruppe zum Studium der Heiligen Schrift,  bis zu seinem Tod im Jahre 1541 (ERE, ibid., S. 520). Man beachte hier den Namen „Valdes“. Der Mann scheint von seinem Namen und seiner Theologie her ein spanischer Waldenser gewesen zu sein (siehe auch das Kapitel The General Distribution of the Sabbath-keeping Churches [122]). Im Jahre 1539 warnte Melanchthon den Senat von Venedig vor dem in Norditalien weitverbreiteten Servetismus (ibid.). Der Vertreter dieser Gruppe Bernard Ochino (1487-1565) aus Siena reiste gemächlich über die Schweiz nach London und diente hier in der Strangers Church (1550-1553) bis zu der Zeit, als die Königin Maria bei ihrem Versuch, den Katholizismus zu erneuern, diese Kirche auflöste. Ochino wurde gezwungen, nach Zürich zu gehen,  emigirierte dann nach Polen und schloß sich dort den Antitrinitariern an. Im Jahre 1539 wurde Katharina Vogel, die Frau eines Juweliers, in Krakau im Alter von achtzig Jahren verbrannt, weil sie an „die Existenz des Einen Gottes“ glaubte, „des Schöpfers aller sichtbaren und unsichtbaren Dinge in der Welt, den die Vernunft eines Menschen nicht erfassen kann“. Diese Bewegung ist das Werk in Europa in einer Zeit, die wir als die Thyatiranische Ära identifizieren. Eine antitrinitarische Bewegung zeigt sich auch auf der zweiten Synode der reformierten Kirchen im Jahre 1556, und im Jahre 1558 übernahm der Piemontese Blandrata die Führung dieser Gemeinde. Die holländischen Wiedertäufer (Anabaptisten) waren ebenfalls Unitarier und standen unter der Leitung von David Joris (1501-1556). In sehr allgemeiner Weise wurden die erwähnten Unitarier auch als Protestanten bezeichnet. Im ERE ist zu lesen:

 

Während der Regierungszeit von Heinrich VIII. [von England] emigrierten Tausende von Protestanten aus Deutschland, dem Elsaß und den Niederlanden nach England, aber in der Strangers Church unter Eduard VI. fand man auch Franzosen, Wallonen, Italiener und Spanier. (ERE, ibid., S. 520).

 

Diese Menschen suchten Zuflucht in England mit der Hilfe der dortigen unitarischen Gemeinde. Diese Gemeinde war die wahre Gemeinde Gottes. England wurde seit dem 15. Jahrhundert offener für das öffentliche Bekenntnis, woran die Publikationen des Bischofs Richard Peacock von Chichester einen großen Anteil hatten. Zu dieser Zeit kam es zur Trennung zwischen Lollarden und Anabaptisten.

 

Am 28. Dezember 1548 schwor der Geistliche John Assheton vor Cranmer den  „verdammenswerten Ketzereien” ab, nach denen „der Heilige Geist nicht Gott ist, sondern nur eine bestimmte Kraft Gottes repräsentiert”, undJesus Christus, der von der Jungfrau Maria empfangen wurde, ein heiliger Prophet …, jedoch nicht der wahre und lebendige Gott war”. Im April des nächsten Jahres wurde eine Komission ernannt, um alle Anabaptisten, Ketzer oder Verächter der anglikanischen Liturgie zu finden. Im Mai wurden viele Händler von London vor dieses Organ gebracht. (ERE,  ibid.).

Sie waren Unitarier. In dieser Entwicklungs­phase der Kirche und in der Zeit der Verfolgungen läßt sich weder der Binitarismus noch der Ditheismus nachweisen. Die Kirche hatte noch keine Doktrin. Im Jahre 1551 wurde der Chirurg Georg van Parris aus Mainz hingerichtet, weil er behauptete, daß der einzige Gott Gott der Vater ist, aber Christus kein wahrer Gott ist (ERE, op. cit.). Die unitarische Bewegung in Polen war bereits der protestantischen Synode beigetreiten, als Blandrata im Jahre 1558 dort ankam, wurde jedoch sieben Jahre später ausgeschlossen. Sie lehnten jeden anderen Namen für sich als „Christen” ab (ERE, ibid.). Faustus Socinus (1539-1604), der Neffe von Lelius Socinus aus Siena (1525-1562), der ein Freund von Calvin und Melanchthon war, besuchte England und ging dann nach Polen. 1578 besuchte er Blandrata in Transsylvanien und argumentierte gegen Franz David, der jede Form der Verehrung in bezug auf Christus ablehnte. 1579 ließ er sich in Polen nieder. Die Sozianianer wurden nach ihm benannt. Doch sie waren schon lange vor Socinus hier ansässig und sind ein Teil der Kirche, die wir auch als Waldenser kennen. Dieses Aspekt wird im Kapitel Socinianism, Arianism and Unitarianism [185] behandelt.

 

Die unitarische Gemeinde Polens wurde von der Katholischen Kirche bis zu ihrer Vernichtung verfolgt (siehe ERE,  op. cit.). Socinus erlaubte den Gebrauch des Begriffs „Gott” auch in bezug auf Christus, doch nur in einer untergeordneten Bedeutung. Diese Bedeutung war dieselbe, in der auch Irenäus diesen Begriff gebrauchte (siehe auch das Kapitel  Early Theology of the Godhead [127]).

 

Franz David (oder Davidis) aus der ungarischen Kirche in Transsylvanien wurde im Schloß Deva eingekerkert,  weil er das Gebet zu Christus oder irgendeine andere Form seiner Verehrung ablehnte. Er starb im November 1579 in der Gefängnishaft. Wir wissen von der gut dokumentierten Geschichte seiner Nachfolger ab Eossi, daß sie nicht nur Unitarier waren, sondern auch den Sabbat, die Neumonde und die Heiligen Tage eingehalten haben. Das Posaunenfest wurde mit dem Neumond gefeiert, und die spezifischen Hymnen des Neumond standen gegenüber den spezifischen Hymnen des Posaunenfests im Vordergrund (siehe das Kapitel The General Distribution of the Sabbath-keeping Churches [122]).

 

Die Bezeichnung Unitarismus wurde als Wort erstmals von Melius verwendet. Es erschien zum ersten Mal im Jahre 1600 in einem Dokument des Dekrets der Synode von Lecsfalva zusammengestellt wurde. Offiziell wurde dieser Begriff von der Gemeinde im Jahre 1638 angenommen. Die ungarischen Gemeinden wurden danach zwei Jahrhunderte hindurch verfolgt, und ihr Eigentum wurde konfisziert. Am Anfang des 20. Jahrhunderts hatten deren Nachkommen unter den Szeklern in Transsylvanien und mit einigen in Ungarn 140 Gemeinden. Ihr Kirchenliederbuch, das im Jahre 1865 veröffentlicht wurde, enthielt keine Vorschriften für die Anbetung von Christus (ERE, ibid.). Das einzige wahre und treue Überbleibsel dieser Gemeinden, das heute noch besteht, sind die Transkarpatier, die noch immer unitarische Sabbathalter sind.

 

Das Anwachsen des Unitarismus in England rührte vom Wunsch her, den richtigen apostolischen Glauben zu erneuern. Die großen Denker Englands waren sich darüber im klaren, daß das Neue Testament nicht trinitarisch, sondern unitarisch ist. Diese hervorragenden Menschen machten sich daran, die Frage der ursprünglichen Lehren der Kirche zu klären. Dieser Prozeß begann vielleicht schon mit der Tätigkeit von Richard Hooker (1553-1600) und John Hales (1584-1656). Die Begrenzung der Definition des Geheimnisses des Wesens Gottes auf die Heilige Schrift allein wurde zum zentralen Thema. Die Schriften von William Chilingworth (1602-1644) sind hier von großer Bedeutung. Chilingworth ist von dem frühen Unitarier Lord Falkland beeinflußt worden. Die Werke von Grotius schweigen sich über das Wesen der Dreieinigkeit aus, und er sagt (laut Stephen Nye, Brief History of the Unitarians also called Socinians, London, 1687), daß er seine Werke nach unitarischen Grundlinien interpretierte, oder im Geist der Sozinianer (ERE, S. 522).

 

Paul Best (1590-1657) wurde während seiner Reise nach Polen bekehrt. Die Unitarier von Transsylvanien haben auch Milton beeinflußt (siehe Areopagitica, London, 1644 – Auszug aus ERE, ibid.). Die Kirchenversammlungen von Canterbury und York verboten im Juni 1640 die Einfuhr von unitarischen (sozinianischen) Büchern, und im Jahre 1648 faßte das Parlament den Beschluß, wonach die Leugnung der Dreieinigkeit ein Kapitalverbrechen war. Doch John Biddle (1616-1662), den man oft den Vater des englischen Unitarismus nennt, veröffentlichte im Jahre 1654 das Buch A Twofold Scripture Catechism. Der Unitarismus in England war im 17. Jahrhundert sehr verbreitet. Professor Bronowski hat in den Serien der Fernsehsendung The Ascent of Man sogar die Behauptung vertreten, daß die Industrielle Revolution das Produkt unitarischer Denker gewesen sei. Trotz der Haft und des Exils auf den Scilly-Inseln (1654-1658) gewann Biddle Anhänger. Biddles Tod im Jahre 1662 und die Uniformitätsakte stellte die Bewegung als Glaubensorganisation auf die Probe.  Doch die Frage nach dem wirklichen Sinn der Heiligen Schrift führte alle großen Denker dieser Zeit zu einer Ablehnung des Trinitarismus. Das bezieht sich auch auf Milton. In der Zeit von 1691 bis 1705 förderte der reiche Händler Thomas Firmin (1632-1697) die entsprechende Literatur. Das Parlament versuchte, diese Strömung zu unterdrücken. Doch nun traten die großen Philosophen auf den Plan, wie John Locke (1632-1704). Sir Isaac Newton folgte aufgrund des Studiums der Heiligen Schrift ebenfalls Milton in den Unitarismus. William Whiston (1672-1752) folgte diesen großen Denkern, er trat im Jahre 1703 die Nachfolge Newtons als Professor in Cambridge an, doch wurde er im Jahre 1710 von seinem Lehrstuhl entbunden, weil er Unitarier war. Der Traktat von Samuel Clarke (1675-1729), The Scripture Doctrine of the Trinity, war bei der Erörterung dieses Problems ebenfalls wichtig. Hier wurde zum ersten Mal eine quasi binitarische Position eingeführt, es wurden Einwände gegen die gemeinsame Ewigkeit des Sohnes aufgestellt. Als im Jahre 1786 die Akademie von Manchester eröffnet wurde (später Manchester Oxford College), war der erste Rektor Thomas Barnes, der auch Unitarier war.

 

Das Presbyterian College in Carmarthen setzte die Serie der Lehranstalten fort, deren erste von Samuel Jones gegründet wurde, einem ehemaligen Mitglied des Jesus Oxford College und einer der 2000 im Jahre 1662 entlassenen Geistlichen (ERE, S. 523).

 

Der andere Unitarier war Joseph Priestly (1733-1804). Der Freund von Priestly, Vikar Theophilus Lindsey (1723-1808) aus Catterick on the Tees, gab seine Position auf,  nachdem eine Petition an das Parlament erfolglos geblieben war, und im Jahre 1774 eröffnete er  in Strand an der Essex Street die erste unitarische Kapelle. Das war die erste öffentliche Kapelle seit vielen Jahren, wahrscheinlich die erste seit der Aufhrbung der Strangers Church.

 

Diese Kapelle verwendete die englische Liturgie, verehrte aber allein Gott den Vater. Als Thomas Belsham (1750-1829) im Jahre 1789 als Theologielehrer im Harkney College eingesetzt wurde, hat er auch die Sache der Unitarier vorangebracht, und zwar einfach durch die Möglichkeit des Studiums der Heiligen Schrift. Das war mit der Hilfe des unitarischen Ve